"Österreichs Fußball Hobbysport"

29. Juli 2007, 12:29
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Richard Trenkwalder führte den ASK Schwa­dorf in die Bundesliga - Der Unternehmer in Sachen Leiharbeit verriet im STANDARD-Interview die Motive für seine Investitionen

Standard:Sie sind als Geldgeber bei 50 Vereinen tätig, finanzieren den stetigen Aufstieg von Schwadorf, sind neuer Hauptsponsor von 1860 München. Warum engagieren Sie sich derart intensiv im Fußball?

Trenkwalder: Es rechnet sich einfach. 1860 München bekommt 1,3 Millionen Euro, dafür haben wir einen Werbewert in Höhe von 21 Millionen, zum Beispiel durch 100 Stunden TV-Präsenz. Für Schwadorf wurde für kommende Saison ein Werbewert von vier Millionen Euro errechnet. Bei einem Budget von drei Millionen Euro.

Standard: Was bringt diese Werbung Ihrem Leiharbeits-Unternehmen konkret?

Trenkwalder: Der Fußball ist ein hervorragender Imageträger. Die Leihbranche hat noch immer keinen guten Ruf, etwa weil wir eben keine Fixbeschäftigung anbieten können. Wir stehen aber in einem Imageranking mittlerweile unter den 80 besten Unternehmen Österreichs. Das kann nur der Fußball leisten.

Standard: Würden Sie sich mit Frank Stronach und Dietrich Mateschitz vergleichen lassen?

Trenkwalder: Nein, zu beiden fehlt mir eine Kommastelle.

Standard: Und was sagen Sie zu einem Vergleich mit Franz Grad, auch einem erfolgreichen Unternehmer, der dem Fußball den Rücken gekehrt hat, weil er meint, dass es in Österreich keinen Sinn hat?

Trenkwalder: Trenkwalder ist ein bekannter Markenname. Der verträgt sich nicht mit einem Lizenzverkauf. Außerdem bin ich eine treue Seele, für die nächsten zehn Jahre muss man sich um meinen Verein keine Sorgen machen.

Standard: In Schwadorf haben Sie kaum Fan-Potenzial. Wäre es nicht besser gewesen, Ihr Geld anderswo zu investieren? Etwa gleich in Wien?

Trenkwalder: Ich habe wenig Zeit, wenn dann noch Entfernungen zu überwinden sind, habe ich noch weniger Zeit. Außerdem habe ich in Schwadorf die Hand drauf. Mein Sohn ist für die Finanzen zuständig. Sicher, zum Beispiel der Sportclub hat einen gewissen Anhang, aber dort hätte ich nicht mehr die Hand drauf.

Standard: Gibt es, abgesehen von den wirtschaftlichen Aspekten, noch andere Gründe für Ihr Engagement?

Trenkwalder: Ich habe Freude an der Entwicklung eines Projekts. Es ist schön zu sehen, wie es Jahr für Jahr aufwärts geht. Natürlich spielt da eine gewisse Eitelkeit eine Rolle.

Standard: Kränkt es Ihre Eitelkeit, wenn es heißt, Sie erkaufen sich den Erfolg, indem Sie etwa ältere, routinierte Spieler wie die Ex-Rapidler Kincl und Valachovic holen und mit Geld zuschütten?

Trenkwalder: Bei mir verdient kein Spieler mehr als 10.000 Euro brutto im Monat fix. Kincl und Valachovic konnte ich verpflichten, weil ich ihnen Zweijahresverträge angeboten habe. Ich trete nicht an, um eine Mannschaft zu entwickeln. Ich trete an, um ein Ziel zu erreichen. Das ist der Aufstieg in die T-Mobile-Liga und später eine Teilnahme an einem europäischen Bewerb. Diese Spitze erzeugt eine Sogwirkung. Wir haben mittlerweile in Schwadorf neun Nachwuchsmannschaften und ein Amateurteam. Da wird professionell gearbeitet.

Standard: Sie sprechen oft über professionelle Arbeit.

Trenkwalder: Ja, weil Österreichs Fußball ein Hobbysport ist. In den meisten Vereinen sind Funktionäre am Werk, die durch keinerlei Ausbildung dafür befähigt sind. Eine Totalbeschäftigung mit dem eigenen Business, wie sie für mich selbstverständlich ist, gibt es nicht. Das gilt auch für die Spieler. Die kommen zum ersten Training, lehnen dann irgendwo herum und kommen mit Badeschlapfen zum zweiten Training. Das war es schon. Ich möchte, dass sich meine Spieler den ganzen Tag mit ihrem Job beschäftigen, und zwar auch geistig.

Standard: Haben Sie selbst noch Zeit, sich mit anderem als Ihrem Unternehmen und dem Fußball zu beschäftigen?

Trenkwalder: Nein, ich habe einen Weinkeller in Schwadorf, aber leider keine Zeit mehr. (APA, Sigi Lützow, DER STANDARD Printausgabe 25. Juli 2007)

 

ZUR PERSON: Der Steirer Richard Trenkwalder (59) absolvierte die HTL für Maschinenbau, sammelte in Amsterdam und New York Berufserfahrungen und eröffnete 1985 ein Ingenieursbüro. 1988 sattelte er ins Geschäftsfeld Personalbereitstellung um. Die Trenkwalder AG mit Sitz in Schwadorf hat rund 300 Standorte in Europa und setzt mit mehr als 42.000 Mitarbeitern nahezu 600 Millionen Euro netto um. Kommerzialrat Trenkwalder ist seit 1999 Präsident des ASK Schwadorf, der seither von der 1. Klasse Ost/NÖ in die Red-Zac-Liga marschierte. Den Aufstieg des nunmehr Trenkwalder SKS heißenden Klubs in die T-Mobile-Liga wünscht sich der Chef zum Sechziger im Mai.

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    Richard Trenkwalder

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