28.000 Überstunden unbezahlt

25. Juli 2007, 20:52
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Schlechtes Verhältnis zwischen Spital-Betreiber und Ärzteschaft: Mediziner am LKH Feldkirch müssen um Bezahlung kämpfen

Feldkirch - 28.000 Überstunden schuldet das Landeskrankenhaus Feldkirch seinen Ärztinnen und Ärzten. Burkhart Walla, Spitalsärzte-Vertreter in der Vorarlberger Ärztekammer erklärt: "Das Problem ist seit einem Jahr bekannt, seit einem Dreivierteljahr verhandeln wir, Bewegung kam aber erst in die Sache, als die Verhandlungspartner wechselten."

Walla meint damit den Abgang des langjährigen Direktors der Krankenhaus-Betriebsgesellschaft, Luis Patsch. Das schlechte Verhältnis zwischen Patsch und Ärzteschaft ist Legende. Patsch habe, so Krankenhaus-Insider, auf Überstundenforderungen mit Druck reagiert. Walla: "Tausende Überstunden fielen einfach unter den Tisch." In Einzelfällen, etwa einem hoch spezialisierten Facharzt, der aufgrund seiner besonderen Qualifikation keine Vertretung hat, wurden 1000 Überstunden nicht bezahlt. Damit hat der Arzt fünf Monate unbezahlt gearbeitet.

Hundert Überstunden pro Person

Patsch-Nachfolger Gerald Fleisch und der neue Gesundheits-Landesrat Markus Wallner (ÖVP) sagten den Ärztevertretern die Auszahlung der Überstunden zu. Walla. "Nach Jahren der Konfrontation wird nun ein anderer Umgang mit den Angestellten der Landeskrankenhäuser gepflegt. Die Angestellten haben nun das Gefühl, vom Arbeitgeber korrekt und fair behandelt zu werden." Werner Gsteu, Leiter des Personalwesens, relativiert die Aussagen des Ärztekammer-Funktionärs jedoch.

Die 28.000 Überstunden hätten sich im Laufe der vergangenen zehn Jahre angesammelt. Umgelegt auf 300 angestellte Ärztinnen und Ärzte, käme man auf 100 Überstunden pro Person, "das ist schon vertretbar". Einig sind sich Walla und Gsteu, dass eine langfristige Lösung der Überstundenproblematik notwendig ist. Gsteu: "Wir werden mehr in die Planung von Arbeitszeitmodellen investieren müssen." Die Ärztekammer will nun auch die Situation an den anderen Krankenhäusern prüfen. Bis Ende September soll ein Konzept zur Regelung der Überstunden, das für alle Landeskrankenhäuser gelten soll, erarbeitet werden. (jub, DER STANDARD Printausgabe, 25.7.2007)

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