Kopf des Tages: Wagner-Clan-Tochter mit Waschmaschine

24. Juli 2007, 18:51
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Soll die Erbfolge auf dem Grünen Hügel sichern: Regisseurin Katharina Wagner

Frauen waren - ganz entgegen der Opferrolle, die ihnen in Richard Wagners Gesamtkunstwerken auf niederschmetternde Weise zugedacht wird - auf dem Grünen Hügel mehr als nur Aufputz oder gründungsfamiliäre Staffage. Die Bayreuther Wagner-Festspiele sind ein fest verwobener Bildungs- und Familienroman - lückenlos erzählbar, politisch mitunter zwielichtig, doch konti-nuitätsgesättigt, frauenlastig und dabei erstaunlich krisenresistent.

Das Rettende, es entwächst mit beruhigender Sicherheit dem familiären Schoß: Ausgerechnet die heute 29-jährige Tochter des seit 1951 als Festspielleiter amtierenden Wagner-Enkels Wolfgang (88) ist drauf und dran, die Erbfolge im Namen der Gründungsfamilie sicherzustellen. Sie inszeniert als Bayreuth-"Debütantin" die ideologisch kniffligen Meistersinger von Nürnberg (Premiere heute) - keine gewöhnliche Inszenierung, sondern der Leistungsnachweis einer potenziellen Festspiel-Leitungskandidatin.

Katharina entstammt der zweiten Ehe des fränkischen Festspiel-Patriarchen. Ein glücklich behütetes Kind, das die Wagner'sche Vorliebe für "Schweinebraten mit Klößen" teilt, sich bereits als kleines Mädchen als Statistin in die Volksmassen auf der Meistersinger-Festwiese mengte und als Wildfang in die Bayreuther Proben fröhlich hineinstürmte - vom Herrn Papa ausdrücklich dazu ermuntert, bei Anwandlungen von Langeweile das Weite zu suchen.

Die große Blonde mit der rauchigen Stimme hat ihre so genannten Gesellenprüfungen als Regisseurin längst abgelegt: Am Staatstheater Würzburg punktete sie anno 2002 mit einem tadellosen Fliegenden Holländer. Rasch wurde freilich ruchbar, dass Katharina - sie hat immerhin bei Harry Kupfer assistiert - bei den Errungenschaften des so genannten Regietheaters andockt: keine durch "Mitleid wissende" Törin, sondern eine gewieft kalkulierende Theatermacherin mit respektlos zupackender Pranke.

Katharina Wagner, deren sportiver Lebensgefährte Endrik Wottrich die Rolle des Parsifal bei Christoph Schlingensief einst entnervt hinwarf, betont ihre Normalität. Sie weiß, dass ihr Vater sie als seine Nachfolgerin favorisiert. Die Entscheidung des Bayreuther Stiftungsrates steht freilich noch aus. Auch haben Kusine Nike und Halbschwester Eva ihrerseits Ambitionen angemeldet. Bayreuther Adabeis und Probebesucher erzählen währenddessen von einer hoch energetischen Regisseurin, die vor Kameras flüchtet und in ausgesuchten Interviews betont lebensnah darüber erzählt, wie sie ihre Waschmaschine mit Schmutzwäsche vollstopft.

In Bayreuth ist eben nichts normal: Eine junge Frau inszeniert - und wird sich nolens volens an Wagner-Heiligen wie Cosima oder Winifred messen lassen müssen. (Ronald Pohl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 7. 2007)

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