Die vergessenen Kinder von Tschernobyl

25. Juli 2007, 20:52
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Global 2000 brachte bisher tausend Spätopfer der AKW-Katastrophe nach Österreich

Wien – Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wirft bis heute ihren Schatten über die Ukraine. Noch immer müssen zahlreiche Kinder an den Folgen Tschernobyls sterben, von den Spätfolgen ganz zu schweigen: Beinahe 50 Prozent aller ukrainischen Kinder leiden an der Immunschwäche "Tschernobyl-Aids".

Die Chancen auf die erfolgreiche Behandlung Erkrankter sind gering. Es gibt kein adäquates medizinisches Versorgungsnetz, man ist auf ausländische Hilfe angewiesen. Die von Global 2000 initiierten humanitären Hilfeleistungen und strukturellen Verbesserungen in der Region ließen die Heilungsrate der Leukämiestation des Kinderkrankenhauses Kharkov von fünf auf 75 Prozent steigen. Die NGO gibt Tschernobylkindern seit 1996 in Zusammenarbeit mit Österreichischen Gemeinden allerdings auch die Möglichkeit, sich für ein paar Tage völlig sorgenfrei zu fühlen.

Leukämie

Diana Razdzhoy ist das 1000. Kind, das in Österreich einen derartigen Erholungsurlaub macht. Das zwölfjährige Mädchen leidet an Trizitopenie, einer äußerst seltenen Form von Leukämie. Diese Diagnose hätte in ihrer Heimat ihren Tod bedeutet.

Da sich ihre Familie Medikamentenkosten in der Höhe von 18.000 Euro pro Jahr unmöglich leisten konnte, versuchten die verzweifelten Eltern, ein weiteres Kind zu bekommen, das als Knochenmarkspender fungieren hätte sollen (Transplantationen sind in der Ukraine nur unter Geschwistern erlaubt). Dies endete mit einer Bauchhöhlenschwangerschaft, an der Dianas Mutter beinahe starb.

Nachdem Global 2000 die lebensnotwendigen Medikamente für Diana aufgetrieben hatte, wurde das Mädchen am 9. Juli nach Österreich gebracht, um sich im Therapiezentrum Ybbs für zwanzig Tage zu erholen.

Diana ist eines von 130 Kindern, die dieses Jahr fern der Heimat versuchen, ein paar unbeschwerte Tage zu verbringen. Die Ferien schenken den jungen Patienten nicht nur neuen Mut, sie sind auch messbar: Bei allen betroffenen Kindern bessert sich das Blutbild sichtlich.

Insgesamt sind fünf Millionen Menschen direkt und indirekt durch den Reaktorunfall 1986 erkrankt. Eva Maria Neuper von Global 2000 weiß, dass trotz all der verstrichenen Zeit die Hilfe für Opfer nicht abreißen darf. Da es keine Erfahrungswerte gebe, seien weitere Spätfolgen noch immer nicht absehbar. (Maria Antonia Graff, DER STANDARD Printausgabe, 25.7.2007)

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    Sorglose Tage in Ybbs lassen Diana ihre Krankheit für kurze Zeit vergessen

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