Nobelpreis-Komitee entlastet Ex-Präsident Walesa nicht

30. Juli 2007, 14:42
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Vorwurf der Geheimdienstmitarbeit bleibt -- Dokumentation aus Oslo wird erst in 26 Jahren zugänglich

Warschau - Das Nobelpreis-Komitee wird dem ehemaligen polnischen Präsidenten Lech Walesa nicht helfen, den Vorwurf einer Geheimdiensttätigkeit im kommunistischen Polen zu widerlegen, wie es in der polnischen Tageszeitung "Rzeczpospolita" vom Dienstag heißt. Erst 2033, genau 50 Jahre nach der Verleihung des Friedens-Nobelpreises an Walesa, werde es gemäß seinem Statut die Dokumentation zugänglich machen, antwortete die norwegische Staatsanwaltschaft auf eine Anfrage des polnischen Instituts für das nationale Gedächtnis (IPN).

Das IPN, das über die Befugnisse einer Staatsanwaltschaft verfügt, hat nämlich Hinweise, die Walesa entlasten. Demnach wurden die Gerüchte um seine Geheimdienstmitarbeit 1982 gezielt gestreut, um die Zuerkennung des Nobelpreises zu verhindern. Dafür sei eine Spezialabteilung im polnischen Außenministerium mit dem Namen "Büro für Untersuchungen" zuständig gewesen.

"Es entstand ein Plan, einen Brief an die Jury zu schreiben", heißt es in einem Dokument des Ministeriums, das dem IPN vorliegt und aus dem die Zeitung "Rzeczpospolita" zitiert. Dem Brief seien gefälschte Berichte eines erfundenen Agenten "Bolek", angeblich Walesas Deckname, beigefügt gewesen, heißt es in dem Dokument. Viele Kritiker, auch aus der Gewerkschaft Solidarnosc, werfen Walesa vor, als "Bolek" Interna der Regimekritiker verraten zu haben.

Walesa reagierte enttäuscht auf die Nachricht aus Oslo. "Dann muss ich wohl warten, die Frage ist nur, ob Gott mich das noch erleben lässt", sagte er vor Journalisten. Vor zwei Jahren führte der Ex-Präsident im Fernsehen sogar ein Gespräch mit dem letzten kommunistischen Machthaber Wojciech Jaruzelski, um von dem ehemals verhassten Staatschef ein Zeugnis seiner Unschuld zu hören.

Die Staatsanwälte des IPN wollen trotz allem nicht locker lassen. "Dann suchen wir eben in polnischen Archiven weiter", sagt Staatsanwalt Miroslaw Roda. Die 1982 tätigen Mitarbeiter der Spezialabteilung im Außenministerium würden auf jeden Fall verhört "die Frage ist nur, ob als Zeugen oder als Beklagte", so Roda. (APA)

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