Reaktionen aus der Politik: "Unermüdlicher Kämpfer gegen die hiesigen Verhältnisse"

25. Juli 2007, 10:44
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Schmied: "Immer politisch, nie jedoch dogmatisch" - Gusenbauer: Hat sein Leben der Versöhnung gewidmet - Morak: "Herzhaftes Lachen als probates Mittel der Aufklärung"

Wien - Für Bundespräsident Heinz Fischer war der verstorbene George Tabori "nicht nur ein großer Theatermann sondern auch ein großer Menschenfreund". Tabori habe am Wiener Burgtheater "den eigentlichen Höhepunkt seiner langen Karriere als Regisseur und Autor gefeiert" und "neue Maßstäbe gesetzt", so Fischer in einer Aussendung.

"Mit dem Tod George Taboris hat die mitteleuropäische Kunstwelt einen wahrhaften Titanen verloren", betont Kulturministerin Claudia Schmied, in einer ersten Reaktion. "Als Opfer des Terrors stellte er diesem die Kunst als sein Spiegelbild gegenüber. Sich einer politischen Vereinnahmung entziehend, war seine Kunst immer politisch, nie jedoch dogmatisch. Theater, Film und Literatur nützte er als Bühne des Lebens."

"Künstlerische Seele Mitteleuropas"

Als "künstlerische Seele Mitteleuropas" bezeichnete Bundeskanzler Alfred Gusenbauer den verstorbenen George Tabori. "In Wien hat er, der seiner Heimat beraubt wurde, ein Stück persönlicher und künstlerischer Heimat gefunden. Seine Lebenserfahrung nahe am Abgrund und der Vernichtung ließen ihn nicht verzweifeln oder bitter gegenüber dem Leben werden. Seine Bewältigung des scheinbar Unbewältigbaren war die Sprache der Ironie und die Sprache der leisen Tönen."

Tabori habe als "Überlebender des Surrealen" die Kunst als einen Ausweg zur Verarbeitung des Traumas verstanden, "ohne jedoch ins Dogmatische abzugleiten". Tabori habe sein Leben der Versöhnung gewidmet, so Gusenbauer.

"Kämpfer gegen die hiesigen Verhältnisse"

"Mit George Tabori verliert Österreich einen unermüdlichen Kämpfer gegen die hiesigen Verhältnisse", meinte der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl. "Die Bedeutung Taboris zeigt sich unter anderem darin, dass ihm als erstem Schriftsteller mit nicht deutscher Muttersprache der Büchner-Preis verliehen wurde."

"Herzhaftes Lachen als probates Mittel der Aufklärung"

Als "wunderbaren Künstler" würdigte ÖVP-Kultursprecher Franz Morak den Theatermacher. "Kein anderer Bühnenkünstler hat unser Bewusstsein für die Katastrophen des 20. Jahrhunderts so nachhaltig geschärft wie der ungarisch-österreichische Angloamerikaner George Tabori", sagte Morak laut einer Aussendung. "Er war ein weiser Moralist, der auch das herzhafte Lachen als ein probates Mittel der Aufklärung einsetzte."

Tabori habe sich "den großen Radikalen des modernen europäischen Theaters, Brecht und Beckett, verpflichtet" gefühlt, und "blieb doch der Vormann einer Weltkultur, die sich aus den amerikanischen Filmstudios nährt und dabei auf dem europäischen Bildungsideal fußt", so Morak.

Mailath-Pokorny: "Universalist des deutschsprachigen Theaters"

"Mit George Tabori verliert die Theaterwelt einen ihrer größten Magier", sagte Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. "Er war einer der letzten großen Universalisten des deutschsprachigen Theaters, der die Rollen des Stückeschreibers, Regisseurs, Theaterdirektors und Schauspielers auf eine unnachahmliche Art und Weise in sich vereinte." (APA)

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