Das Haus mit dem Einkaufsservice

11. September 2007, 13:57
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"Wohn Base": Wohnhaus als Serviceeinrichtung - Studie attestiert hohe Zufriedenheit aber noch geringe Nutzung

Wien – Das Wohnhaus als umfassende Serviceeinrichtung: Diesen Versuch unternahm der Bauträger Raiffeisenevolution mit der "Wohn Base" in der Neubauer Bandgasse. Da gibt es etwa eine "Shop Base", in der jeder Wohnungseigentümer ein versperrbares Abteil mit Eiskasten hat – Firmen können per Telefon oder Internet bestellte Waren dorthin jederzeit direkt liefern und die Bewohner nehmen ihre "Einkäufe" dann des Abends oder in der Nacht in die Wohnung mit. Dazu kommt die "Office Base", ein Büroraum, der für Arbeit oder Besprechungen stundenweise angemietet werden kann. Oder die "Event-Base" für Veranstaltungen oder Parties.

Ein Jahr nach der Besiedlung der "Wohn Base" hat Raiffeisen Evolution nun durch das Institut "das Fernlicht" eine Befragung der Bewohner durchführen lassen – und kam zum Teil zu verblüffenden Ergebnissen.

"Außergewöhnlich hohe Zufriedenheit"

"Die Zufriedenheit in der Wohn-Base ist außergewöhnlich hoch", berichtet Ernst Kovacs von der Raiffeisen evolution im STANDARD-Gespräch. Mehr als 90 Prozent seien mit ihrer Wohnung "eher" oder "sehr zufrieden", mehr als 80 Prozent mit der Ausstattung des Hauses. Knapp unter 60 Prozent sind zufrieden, dass es die "Shop Base" gibt, knapp 70 Prozent sagen das über die "Event Base".

Das Verblüffende ist aber, dass es im Haus "weit mehr Zufriedene gibt, als jene, die diese Einrichtungen tatsächlich nutzen", so Kovacs. So hätten demnach lediglich 23 Prozent der Bewohner das Service der "Shop Base" im ersten Jahr überhaupt genutzt – lediglich sieben Prozent lassen sich monatlich etwas liefern. Am beliebtesten und am meisten genutzt ist übrigens die "Wellness Base" mit Solarium, Sauna und Fitnessraum, die 22 Prozent wöchentlich und 35 Prozent monatlich aufsuchen.

Nachträgliche Interviews mit drei Bewohnern und fünf Firmen, die ursprünglich liefern wollten, erhellten diesen Sachverhalt dann ein wenig. Die meisten Anbieter – vom Greißler bis zur Putzerei – hatten offenbar angenommen, dass das schon von selbst laufen würde und keinerlei Werbeaktivitäten im Haus gesetzt. Das einzige, was wirklich funktioniert, ist die Anlieferung von Gemüse-Kisten in den klimatisierten Raum, was jetzt auch auf der Homepage des Hauses angeboten wird.

"Office Base" bisher nicht genutzt

Was bisher kein einziges Mal genutzt wurde, ist die "Office Base". Aber hier ist Kovacs gespannt auf die Ergebnisse der zweiten "Home Base", deren erster Bauteil gerade bei der Hohen Warte in Döbling besiedelt wurde. "Dort gibt es einen Concierge, was vieles erleichtert. Der kann Drucker, Fax und Kopiergerät warten, aber er kann bei Geschäftsbesprechungen auch für ein Catering, etwa mit Kaffee und Imbisse" angerufen werden." Mit dem Concierge sollte auch die "Shop Base" besser funktionieren: "Denn große Ketten liefern nur dann ins Haus, wenn es eine Person gibt, die die Waren direkt entgegen nimmt."

"In Summe fühlen wir uns durch diese Umfrage bestätigt", resümiert Kovacs. Und daher soll dieses Konzept auch beim nächsten Projekt in der Donaustädter Trondheimgasse leicht modifiziert wieder umgesetzt werden. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 24. Juli 2007)

  • Der Lieferraum im Wohnhaus: Zu jeder Wohnung gibt es eine versperrbare Box mit Kühlmöglichkeit.
    foto: re

    Der Lieferraum im Wohnhaus: Zu jeder Wohnung gibt es eine versperrbare Box mit Kühlmöglichkeit.

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