Sahir Schah - 1914–2007

30. Juli 2007, 13:11
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Ehemaliger König starb im Alter von 92 Jahren - Er regierte von 1933 bis 1973, danach lebte er bis zum Jahr 2002 im Exil in Rom

Kabul/Wien – Er war kein großer Mann, strahlte aber Autorität aus – allein schon durch seine durchdringenden Blicke. Der damals schon greise Monarch bot sich im Herbst 2001 als Vermittler an, um das nach der Taliban-Herrschaft zerrissene Afghanistan wieder zu einen. Die von ihm geführte Rom-Gruppe leistete einen zentralen Beitrag, dass auf dem Bonner Petersberg eine Friedenslösung ausgearbeitet werden konnte.

Wie zugesagt, erklärte er seinen Verzicht auf das Amt des Staatsoberhaupts, nachdem er nach 29 Jahren im italienischen Exil im Jahr 2002 wieder in seine Heimat zurückkehrt war. Seine Rolle wurde in der Verfassung Afghanistans 2004 als "Vater der Nation" verankert.

1973 gestürzt

Als König war er bereits im Jahr 1973 gestürzt worden. Sein Schwager Mohammed Daud hatte den Aufenthalt des Monarchen in Rom zu einem Putsch genutzt. Damals war ihm vorgehalten worden, nicht durchsetzungsstark zu sein.

Dabei hatte der aus einer Paschtunen-Dynastie im Süden Afghanistans stammende Mohammed Sahir langjährige politische Erfahrung: Der in Frankreich ausgebildete Prinz wurde mit 18 Jahren zum Vize-Kriegsminister ernannt. Nach der Ermordung seines Vaters Mohammed Nadir bestieg er 1933 den Thron. Seine erste Amtshandlung war, das Todesurteil für die mutmaßlichen Mörder seines Vaters zu unterschreiben.

Modernisierungskurs

Er brachte das Land erst ab dem Jahre 1953 vorsichtig auf einen Modernisierungskurs. Sahir Schah setzte sich für ein Ende der Verschleierung von Frauen ein und investierte in die Infrastruktur des Landes.

Er ließ 1964 eine neue Verfassung für eine konstitutionelle Monarchie ausarbeiten und durch die Loya Jirga, die traditionelle Stammessitzung, verabschieden. Auch später, als Afghanistan nach dem Abzug der sowjetischen Truppen 1989 im Chaos versank, schlug Sahir Schah die Einberufung einer Loya Jirga vor.

Erst nach dem Sturz der Taliban wurde dieser Vorschlag erneut aufgegriffen, als es galt, eine neue Verfassung für die Demokratie zu verabschieden. Bei seiner Rückkehr nach Kabul als "einfacher Bürger" wurde Sahir Schah jubelnd begrüßt, seither hielt er sich im Hintergrund. (afs/DER STANDARD, Printausgabe, 24.7.2007)

  • Sein durchdringender Blick fesselte: Sahir Schah herrschte 40 Jahre.
    epa/syed jan sabawoon

    Sein durchdringender Blick fesselte: Sahir Schah herrschte 40 Jahre.

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