Häutung als Reinigung: Wie Krabben Giftstoffe loswerden

30. Juli 2007, 13:30
3 Postings

Forscher stellen gesundheitserhaltenden Nebeneffekt des Wachstumsprozesses fest: Schwermetalle werden mit der alten Hülle entsorgt

Newark - Krabben, die in verschmutzten Gewässern leben, entledigen sich ganz einfach giftiger Schwermetalle: Sie können die Gifte in ihren Panzer einlagern und sie bei der nächsten Häutung zusammen mit ihm abwerfen, berichten Forscher der Rutgers University in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Marine Environmental Research".

Krebstiere müssen ihren Panzer regelmäßig abstoßen, um zu wachsen. Dieser Vorgang ist ziemlich aufwändig, da sich zuerst unter dem alten Panzer ein neuer heranbilden muss: Um den alten Panzer abzustoßen, muss dieser zunächst aufgeweicht werden. Dazu wird ihm Kalzium entzogen und im neuen weichen Panzer darunter eingelagert. Biologen haben diesen Vorgang bisher nur als Kontrolle des Kalziumhaushalts angesehen. Erst vor kurzem haben Wissenschaftler daran gedacht, dass auch andere Elemente wie etwa Giftstoffe über diesen Vorgang ausgetauscht werden könnten, da sie in den abgestoßenen Panzern Spuren von Zink, Blei und Kupfer finden konnten. Schwermetalle im Übermaß schaden nämlich auch den Krebsen, da sie zu Reproduktionsstörungen, langsamerer Regeneration nach Verletzungen und zur Farbveränderung bei den Tieren führen können.

Regulation des Metallhaushalts

Lauren Bergey und Judith Weis von der Rutgers Universität haben nun an zwei verschiedenen Winkerkrabben-Populationen in New Jersey gezeigt, dass die Tiere erstaunliche Fähigkeiten entwickelt haben, um ihren Körper gesund zu halten. Die beiden Testgruppen der Spezies Uca pugnax lebten in einem Feuchtgebiet nahe einer Mülldeponie, umgeben von Industriebetrieben und einer Autobahn. Die andere Gruppe lebte im New Jersey Jacques Cousteau National Estuarine Research Reserve. Tatsächlich waren die Winkerkrabben in der Lage, den Metallhaushalt in ihrem Körper zu steuern. Beide Populationen entzogen etwa ihrem alten Panzer Kupfer und Zink. Jene Population, die in dem belasteten Industrieareal lebte, entsorgte über den alten Panzer aber auch Blei. "Manche dieser Tiere konnten 76 Prozent ihres Bleigehaltes im Körper mit einer einzigen Häutung abbauen", so Bergey.

Die Forscher nehmen allerdings an, dass eine derart massive Verschiebung von Substanzen für die Tiere nicht besonders gut ist. Über den langfristigen Energieaufwand wissen die Wissenschaftler bis jetzt aber nicht Bescheid. Es scheint jedoch so, dass trotz des Aufwandes der Nutzen größer ist als der Schaden. Bis jetzt sind Untersuchungen über den Austausch von Substanzen bei Krustentieren immer nur kurzfristig gewesen. Die nunmehrigen Erkenntnisse machen es aber notwendig, diesen auch langfristig zu studieren und genau zu sehen, wie die Umweltverschmutzung auf die Tiere wirkt. (pte)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.