Mordfall Litwinenko: Moskau fordert von London erneut Beweise

27. Juli 2007, 15:34
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Russland wirft Großbritannien "politische Motive" bei Ausweisung von Diplomaten vor

Moskau - Die russische Generalstaatsanwaltschaft hat im Mordfall Litwinenko von den britischen Ermittlern erneut Beweise für eine Schuld des mutmaßlichen Täters Andrej Lugowoi (Lugowoj) verlangt. Die bisher vorgelegten Fakten seien nicht ausreichend für eine strafrechtliche Verfolgung Lugowois, sagte der Vize-Generalstaatsanwalt Alexander Swjaginzew am Montag nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau. "Wir sind bereit, gegen Lugowoi ein Ermittlungsverfahren einzuleiten, wenn es dafür eine stichhaltige Grundlage gibt. Wir sind auch zu einer Zusammenarbeit mit den britischen Kollegen bereit", betonte Swjaginzew.

Gleichzeitig bezeichnete Swjaginzew die jüngste Ausweisung russischer Diplomaten aus Großbritannien als "politisch motiviert". Die Reaktion Großbritanniens sei "völlig grundlos, unangemessen, ungerechtfertigt" und habe einzig und allein einen politischen Hintergrund.

Die britische Justiz betrachtet Lugowoi als Hauptverdächtigen im Fall Litwinenko und fordert dessen Auslieferung. Am Sonntag berichtete die Zeitung "Sunday Times", dass hochrangige britische Regierungsvertreter den Mord an Litwinenko als "staatlich gesponserten Terrorismus" ansähen. Russland lehnt die Überstellung Lugowois ab und verweist dabei auf die Verfassung des Landes.

Laut Anklage der britischen Staatsanwaltschaft soll Lugowoi den Ex-Geheimdienstagenten Alexander Litwinenko im November 2006 in London mit dem Strahlengift Polonium 210 ermordet haben. Der russische Chefermittler Andrej Majorow warf den Briten vor, ihre Version von dem Mordfall weise Schwächen auf. So werde außer Acht gelassen, dass Lugowoi und sein Geschäftsfreund Dmitri Kowtun selbst Opfer des Giftanschlags geworden seien. In den britischen Unterlagen gebe es keine Hinweise auf Polonium-Spuren an den Orten, an denen sich Lugowoi alleine bei seinem Besuch in London aufgehalten hatte.

Die russischen Ermittler gehen nach Angaben von Majorow davon aus, dass Litwinenko zum Zeitpunkt des Treffens mit Lugowoi und Kowtun bereits mit dem Polonium vergiftet war und bei dem Kontakt Spuren auf die beiden Männer übertrug. Der Streit um den Mordfall weitete sich in der vergangenen Woche zu einer Krise zwischen London und Moskau aus. (APA/dpa/Reuters)

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