Schlechte Web-Infrastruktur kostet Afrika Milliarden

29. Juli 2007, 15:16
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Fehlende Glasfaserleitungen treiben Preise hoch

Nur vier Prozent der afrikanischen Bevölkerung hat Zugang zum Internet, die Mehrheit davon lebt in Nordafrika oder in der Republik Südafrika. Schuld daran ist zum Teil die fehlende Infrastruktur, die den Preis für Hochgeschwindigkeits-Internet über Kabel in die Höhe treibt, berichtet die New York Times. 75 Prozent des afrikanischen Internet-Traffics wird über Großbritannien oder die USA geroutet. Dieser Umweg kostet afrikanische Staaten jährlich Milliarden an US-Dollar, die nicht anfallen würden, gäbe es eine adäquate Infrastruktur. E-Mails, die aus Afrika über Kabel gesendet werden, laufen alle durch ein und dieselbe Glasfaserkabelleitung, die vor der afrikanischen Westküste verläuft.

In staatlicher Hand

Dieses Kabel war 2002 um 600 Mio. US-Dollar unter Wasser verlegt worden, um Afrika schnelleren und billigeren Zugang zum Internet zu garantieren. Doch selbst heute ist von den erhofften positiven Veränderungen noch wenig zu spüren. Jene Telekommunikationsunternehmen, die mit dem Kabel verbunden sind, befinden sich in staatlicher Hand und besitzen das Monopol, was zu hohen Preisen führt. Leichte Verbesserungen sind jedoch spürbar. In Ruanda musste man 2003 noch 1.000 US-Dollar pro Monat für einen Internetzugang zahlen. Nachdem ein privates Unternehmen Internet- und Mobiltelefonprovider geworden war, sank der Preis auf 90 Dollar pro Monat, doch für die Einwohner Ruandas, die ein Durchschnittseinkommen von 220 Dollar pro Jahr haben, ist dies immer noch sehr hoch.

Wegen der problematischen Kabelverbindung läuft der Großteil der Internetanschlüsse über Satellit

Pläne, ein weiteres Glasfaserkabel auch in Ostafrika zu verlegen, sind eingeschlafen. Wegen der problematischen Kabelverbindung läuft der Großteil der Internetanschlüsse über Satellit. Doch diese Art der Verbindung ist aufgrund der Verzögerung der Signale langsamer als Kabel. Auch die Bandbreite ist geringer und hinzu kommt, dass die afrikanischen Satelliten, von denen die meisten vor 20 Jahren in Betrieb genommen wurden, heute bei weitem nicht mehr ausreichen, um Afrikas Nachfrage zu stillen. Der fehlende Internetzugang ist ein ernstes Problem für die wirtschaftliche Entwicklung Afrikas. "Bevor man Afrika nicht einen Internetanschluss bietet, der genauso gut ist wie jener im Rest der Welt, kann Afrika kein Teil der globalen Wirtschaft oder des akademischen Umfeldes sein", meint Lawrence H. Landweber von der Universität von Wisconsin, der Mitte der 1990er daran gearbeitet hatte, Afrika ins Netz einzubinden.(pte)

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