"100-Dollar-Laptop" geht in Produktion

31. Juli 2007, 10:08
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Erste Geräte bereits im Oktober - "Projektvater" Negroponte streicht heraus: "Es ist ein Bildungsprojekt, kein Laptop-Projekt"

Fünf Jahre nach dem das Konzept zum ersten Mal vorgestellt wurde, hat der Hardwarehersteller Quanta mit der Massenproduktion in Taiwan begonnen. Zu Beginn sprachen die Verantwortlichen von einer Mindestbestellmenge von 3 Millionen Stück, nun bekamen die Hardware-Hersteller grünes Licht für die Produktion. Bereits im Oktober sollen die ersten Modelle an Kinder ausgeliefert werden.

Ein großer Schritt

"Es gibt noch das eine oder andere Stück Software zu schreiben, aber es ist ein großer Schritt für uns", sagte der Kopf der Softwareentwicklung bei OLPC, Walter Bender, gegenüber BBC News.

Welche Länder die ersten Maschinen bestellt haben, wurde nicht bekanntgegeben.

Vom Kritiker zum Unterstützer

Kritisiert wurde das Projekt rund um die Billig-Laptops von mehreren prominenten IT-Persönlichkeiten. Sowohl Craig Barret von Intel als auch Microsoft-Chef Bill Gates bemängelten anfänglich das Gerät wegen seiner geringen Leistungsfähigkeit und dem kleinen Display.

Andere wiederum argumentieren von einem anderem Standpunkt aus, demnach wäre es wichtiger sich für den Kampf gegen Hunger, Durst und die miserable Krankenversorgung in den Zielländern des 100-Dollar-Laptops zu engagieren.

Doch trotz alle Kritik blieb Nicholas Negroponte, Professor am angesehenen Massachusetts Institute of Technology und "Projektvater" des OLPC, stets standhaft: "Es ist ein Bildungsprojekt, kein Laptop-Projekt". Rückendeckung bekam Negroponte dabei von Ex-UN-Generalekretär Kofi Annan. Er sprach bei dem OLPC-Projekt von einem "Ausdruck globaler Verbundenheit" und darüber, dass die Notebooks eine neue Bildungsfront ins Leben rufen würden.

Die Standhaftigkeit der Verantwortlichen führte letztendlich dazu, dass Kritiker zu Unterstützern wurden, das letzte Beispiel dafür war Ex-Rivale Intel.

Universal einsetzbar

Für den nur ein Gigabyte großen Speicher haben die Mitarbeiter der One Laptop per Child Initiative eine speziell auf die eigenen Bedürfnisse angepasste Linux-Variante entwickelt. Bender sagte in einer Stellungnahme dazu: "Für übliche Büroarbeiten ist das Gerät nicht wirklich geeignet, jedoch ist es mehr als ausreichend dafür, was Kinder zum Lernen, Erforschen und Spaß haben benötigen."

Weiter wurde verlautbart, dass der neue Laptop besonders wenig Energie verbraucht und bei Bedarf sogar per Hand/Fuß oder Solarenergie aufgeladen werden kann. Um letztendlich auch im Freien lernen zu können, kommt ein Display zum Einsatz, das auch unter Sonneneinstrahlung lesbar ist. Die innovativen Energieversorger müssen von den Regierungen allerdings zusätzlich bestellt werden.

Zuversichtlich und glücklich

Das finale Design setzt sich aus mehr als 800 Einzelteilen zusammen, Herzstück des Geräts ist ein stromsparender Prozessor von Chiphersteller AMD. Gustavo Arenas freute sich: "Das ist der Moment auf den wir alle gewartet haben (...) Wir glauben sehr stark an die Mission und Vision von OLPC. Es nun Früchte tragen zu sehen, ist nicht nur erfreulich sondern auch befriedigend".

Testgeräte werden momentan auf Herz und Nieren geprüft, Walter Bender sprach davon, dass die Laptops bei 50 Grad Celsius in den Ofen kommen und trotzdem laufen sie weiter als ob nichts wäre. Getestet wird auch vor Ort, aktuelle Einsatzgebiete sind etwa Brasilien und Nigeria. Das sogenannte XO ist so konstruiert, dass es sowohl mit den Wetterbedingungen in den Bergen von Peru aber auch der Wüste von Libyen problemlos zurechtkommt.

176 Dollar

Zum Startschuss kosten die erworbenen Stücke noch 176 US-Dollar, man möchte den Preis jedoch auf 100 US-Dollar reduzieren.(red)

  • Der "100-Dollar-Laptop"
    screenshot: derstandard.at

    Der "100-Dollar-Laptop"

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