Elsner, Kartnig, Herberstein und Co

23. Juli 2007, 18:59
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Es gehört nicht zu den modernen Methoden der Intervention, direkt einen Chefredakteur anzurufen und in einem Artikel Änderungen zu verlangen

Elsner, Kartnig, Herberstein: Drei gerichtsanhängige Namen aus der aktuellen österreichischen Sittengeschichte. Jeweils geht es um sehr, sehr verschiedene Summen, vor allem im Bawag-Prozess. Aber in allen drei Fällen spielen, obwohl natürlich nach wie vor die Unschuldsvermutung gilt, Überheblichkeit, mangelndes Unrechtsbewusstsein und Freunderlwirtschaft eine große Rolle. Alle drei haben irgendwann die Bodenhaftung verloren. Es gehört nicht zu den modernen Methoden der Intervention, direkt einen Chefredakteur anzurufen und in einem Artikel Änderungen zu verlangen. Obwohl das im ORF üblich war und ist. PR-Experten haben längst subtilere Varianten der Einflussnahme entwickelt. Helmut Elsner war einer, der in einem drohenden Ton fast durchs Telefon kam. Nicht oft, in meiner Laufbahn ganze zwei Mal. Wir haben natürlich gar nichts geändert. Aber es war unangenehm und sein Verhalten hat signalisiert: Ich bin ein ganz Mächtiger. Sie werden schon sehen ...

Nach der ersten Einvernahme Elsners verstärkt sich auch der Eindruck eines Bankmanagers, der zweifellos große Fähigkeiten hatte, der aber irgendwann die Meinung verinnerlichte: Was ich mach, ist immer richtig.

Im Fall von Hannes Kartnig hat die von ihm betriebene, gleichzeitig aber auch von Zeitungen und Magazinen hochgejubelte Erfolgsgeschichte des SK Sturm eine Art Hollywood-Verschnitt produziert, wo die Kitschvilla auch ein Haifischbecken brauchte und die privaten Beziehungen eine wöchentliche Bildrevue. Resultat: eine provinzielle Überheblichkeit, die ihm die Augen für die Wirklichkeit verklebte.

Das Schaukeln auf den Wolken der Prominenz führt zu einem Mangel an Unrechtsbewusstsein. Wenn nicht vorher schon ein gestörtes Verhältnis zum Rechtsstaat vorhanden war.

Den wollen ja viele permanent unterlaufen. Gesetzliche Regeln gelten immer nur für die anderen. Die Kritik an den Mächtigen, die sich's "richten" können, entspringt vielfach nicht einem Sinn für Gerechtigkeit, sondern blankem Neid. Im Grunde wollen sie selbst so agieren können. Das ist der eigentliche Luxus des Lebens.

Andrea Herberstein hat die meiste Zeit ihres bisherigen Lebens hart gearbeitet. Und einen ziemlich heruntergewirtschafteten Familienbesitz wiederaufgebaut.

Aber eben nicht nur das. Politische und andere Aufsteiger konnten sich in der Sonne dieser Neo-Adeligen Popularität holen. Umgekehrt hat das was gekostet: Subventionen.

Die brauchten einen Namen, aber offenkundig keine Abrechnung. Sie waren der Preis dafür, dass Andrea Herberstein der steirischen Freunderlwirtschaft einen glanzvollen Rahmen bot. Dort konnte man die Geschichte bemühen und über die Zukunft spekulieren. Mitteleuropa auf Steirisch.

Wer und wo sind die Schuldigen? Denn selbst wenn Frau Herberstein verurteilt werden sollte, wäre ihre persönliche Schuld flankiert von der Weg-schau-Mentalität einer Bussi-Bussi-Gesellschaft, die immer erst dann empört ist, wenn es dem gefallenen Engel an den Kragen geht.

In der Causa Kartnig säßen auch jene neuerdings unsichtbaren Jubler auf der Anklagebank, die früh um Unregelmäßigkeiten wußten, aber weiter das Gegenteil sagten und schrieben.

Und Elsner? Bei Abendgesellschaften erfährt man, wem die Bawag-Sachen schon sehr früh spanisch (oder eben karibisch) vorkamen. Wenn es Prominente aus der Wirtschaft ahnten, warum nicht auch hohe Politiker? (Gerfried Sperl/DER STANDARD, Printausgabe, 23.7.2007)

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