Ich hasse Harry Potter

25. Oktober 2007, 15:57
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Angesichts einer angeblichen Verkaufsfrequenz im Sekundentakt finden Kritiker des Potter-Hypes in diesen Tagen naturgemäß kaum Gehör

Hier ein enttäuschter Fantasy-Fans aus der "harrypottersucks"-Community.

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Ich betreibe diese Website, weil mir der endlose Rummel um Harry Potter auf die Socken geht. Ich will die dilettantischen Filme, die den Erfolg der Bücher fortschreiben, nicht mehr sehen. Ich habe es satt, dass mir überall Harry Potters Gesicht entgegengrinst. Kurz gesagt: Ich hasse Harry Potter!

Okay, ich hasse nicht ihn, aber das, was Harry seinem Genre angetan hat. Ich bin seit Jahren ein eingeschworener Fantasy-Fan, habe hunderte Fantasy-Bücher gelesen. Und als ich hörte, dass es da ein Buch names "Harry Potter und der Stein der Weisen" gibt, habe ich mir das natürlich sofort besorgt. Hastig riss ich den den Umschlag auf und war bereit, mich verzaubern zu lassen. Hat aber leider nicht funktioniert: Das Buch kam an andere, bessere Fantasy-Romane nicht einmal annähernd heran. Ich kann mir aber schon vorstellen, warum Menschen von Harry Potter fasziniert sind: weil sie die wirklich gute Fantasy-Literatur gar nicht kennen. Das ist so ähnlich wie bei Fastfood: Man "liebt" McDonald's, weil man noch nie Hummer gegessen hat.

Obwohl mich das erste Buch "unterwältigt" hat, ließ es mich wegen des ständig anschwellenden Kritiker-Gesummes nicht mehr los, sodass ich mich entschloss, die Serie weiterzuverfolgen. Ich habe alle sechs Bücher von vorne bis hinten gelesen - und ich muss sagen: je weiter ich kam, desto weniger mochte ich sie.

Öde Schemata

Ich bemerkte zunehmend, dass alle Bücher nach dem gleichen Muster gestrickt waren: Überall die gleichen schlampigen Strukturen, die bis zum Erbrechen wiederholten Plots und dieselben sinnlosen Handlungsstränge, die mit dem Rest des jeweiligen Buches nichts zu tun hatten. Manche behaupten, dass diese nervigen Wiederholungen gerade den Charme der Bücher ausmachen. Aber es ist nur allzu offensichtlich, dass Rowling von den literarischen Wurzeln, auf die sie sich immer so gerne beruft, keine Ahnung hat. Nachdem ich das sechste Buch gelesen hatte, fühlte ich mich verloren in einem Meer der Mittelmäßigkeit, das vom scheinbar nie versiegenden Harry Potter-Wahn gespeist wird. .

Ich bin glücklich, dass Potter Menschen, insbesondere Kinder, zum Lesen ermutigt und das Fantasy-Genre endlich die Aufmerksamkeit erhält, die ihm gebührt. Aber man braucht nicht so zu tun, als wäre Potter das Alpha und Omega der Fantasy-Literatur. Die Bücher, die ich im Folgenden empfehle, sind um vieles reicher, vielschichtiger, vor allem aber kein bloßer Abklatsch. Und sie haben entscheidend zum Stellenwert beigetragen, den das Fantasy-Genre heute hat. Also nehmen Sie sich bitte die Zeit, ein paar davon zu lesen:

Der König von Narnia (The Lion, the Witch and the Warderobe) - 1. Teil der legendären "Chroniken von Narnia";

Gefangene der Zeit (A Wrinckle in Time) von Madeleine L'Engle: Zwei Kinder suchen nach ihrem verlorenen Vater, der von Außerirdischen auf dem Planeten Camazotz gefangen gehalten wird. Ein echter Klassiker.

Caroline, die Geschichte eines von seiner Umwelt missachteten Mädchens, das in einer Parallelwelt lebt, von Meistererzähler Neil Gaiman;

Der goldene Kompass. Das erste Buch der "Dark Materials"-Trilogie von Philipp Pullmann.

(Quelle: ihateharrypotter.com)

  • Aus den X-Files von US-Cartoonist Stephane Peray; "Das bestgehütete Geheimnis der Welt".
    illustration: stephane peray

    Aus den X-Files von US-Cartoonist Stephane Peray; "Das bestgehütete Geheimnis der Welt".

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