GUADEC: Aufbruchstimmung bei der GNOME-Konferenz

20. September 2007, 11:37
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GTK+ 3.0, der Online Desktop und mobile Linux-Devices erwiesen sich als die dominanten Themen der Woche

Umgeben von beinahe diametral den österreichischen Verhältnissen entgegengesetzten Wetterbedingungen - am Freitag hatte es im direkten Vergleich rund 25 Grad Celsius weniger samt schier endlosen Mengen an sich vertikal bewegender Flüssigkeit - ging am Samstag die GUADEC in Birmingham zu Ende. Sieben Tage lang haben sich die GNOME-EntwicklerInnen über mögliche Verbesserungen am Unix-Desktop ausgetauscht, zahlreichen Vorträgen gelauscht und an ihren Projekten gehackt.

Aufbruch

Eine Einschätzung zog sich dabei wie ein roter Faden durch zahlreiche Präsentationen und Keynotes: Es muss sich etwas ändern. Federico Mena-Quintero, Co-Gründer des heuer 10 Jahre alt werdenden GNOME-Projekts, brachte diese Einschätzung auf den Punkt: Man habe mittlerweile alle ursprünglich gesetzten Ziele erreicht hat, entsprechend sei man in einer Art Identitätskrise, in der man nicht recht wisse, wie der Weg weitergehen soll.

Ziele

Insofern sei es zentral, dass man sich neue gemeinsame Ziele suche, dies könne der von Red Hat wenige Tage zuvor vorgeschlagene Online-Desktop sein, dies könne auch etwas gänzlich anderes sein. Unumgänglich sei aber, dass man wieder stärker eine Atmosphäre in der Community schaffe, die das Experimentieren mit neuen Konzepten fördere. Aus diesem Pool an Software dann die stabilen Komponenten auszuwählen, ist eine Aufgabe, die man getrost den Distributoren überlassen könne, zeigt sich Mena-Quintero überzeugt.

GTK+ 3.0

Dass es nicht ewig ohne einen Bruch mit dem Bestehenden weitergehen kann, schien auch eine von der Mehrheit der EntwicklerInnen des GTK+-Toolkits geteilte Meinung zu sein. Gerade Nokia versuchte mit einer Präsentation zur Frage, ob man ein GTK+ 3.0 - das dann teilweise mit der ABI-Kompatibilität brechen würde - brauche, hier die Diskussion zu befördern.

Effekte

Für viele moderne Dinge - etwa grafisch aufwendigere Effekte - wolle man sich nicht ewig auf externe Bibliotheken verlassen, ohne Bruch der Kompatibilität ließe sich eine solche Funktionalität aber kaum in GTK+ integrieren. Auch habe sich mittlerweile ein Menge von veralteten Funktionen angesammelt, mit denen man gerne aufräumen wolle. Ein Punkt, der wohl noch einiger Diskussionen bedarf, dafür bietet sich der erste GTK+ Developers Summit an, den es heuer noch geben soll.

Integration

Ein weiteres zentrales Thema auf der GUADEC war die Integration mit der Online-Welt. Dass sich die Desktop- und Web-Welten immer weiter annähern, sei eine Realität der man sich aktiv stellen wolle. Mit dem PyroDesktop und dem GNOME Online Desktop wurden dann auch gleich zwei konkrete Ideen für solch eine bessere Integration präsentiert, zumindest die zweite Idee scheint sich auch einer breiten Unterstützung zu erfreuen.

Geräte

Das dritte große Thema der GUADEC 07 war sicherlich der Bereich der mobilen Devices, kein Wunder, hat sich hier doch seit dem letzten Jahr einiges getan: Mit der GNOME Mobile Plattform hat man eine neuen Zweig der Desktop-Entwicklung gestartet, der einiges an Interesse aus der Industrie auf sich gezogen hat. Die Bandbreite reicht dabei von großen Unternehmen wie Intel oder Nokia zu Projekten wie OpenMoko oder dem One Laptop per Child-Programm, die alle versuchen von einer Zusammenarbeit zu profitieren.

Diskussionen

Eins ist sicher: Die diesjährige GUADEC hat viele - notwendige - Diskussionen in der Community angestoßen, die in den kommenden Monaten wohl einige Änderungen nach sich ziehen werden. Ob diese erfolgreich sind oder nicht, wird dann wohl auf der kommenden EntwicklerInnenkonferenz bilanziert werden - im voraussichtlich etwas sonnigeren Istanbul. (Andreas Proschofsky aus Birmingham)

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GUADEC

  • Hunderte EntwicklerInnen hatten sich in Birmingham vom 14.-21. Juli versammelt, um über die Zukunft des Projekts zu diskutieren
    foto: andreas proschofsky

    Hunderte EntwicklerInnen hatten sich in Birmingham vom 14.-21. Juli versammelt, um über die Zukunft des Projekts zu diskutieren

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