Ein Spross am Wörthersee

30. Juli 2007, 12:08
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Hotel Schloss Velden bekam Nachwuchs: Residenzen und einen Spa-Bereich

Man hat nicht immer einen Ferrari-Konvoi über dem Kopf. Aber der Tunnel bietet auch das. Der Tunnel ist weich ausgelegt, mit ein wenig Kunst bestückt. Und er quert unter Straßenniveau die Veldener Seeuferstraße, die soeben im Benzinduft von Maranello und Testa Rossa badet - so wie es sich anlässlich des lokalen Sportwagenfestivals ja auch gehört. Soweit also alles im roten Ferrari-Bereich im milden Westen des Wörthersees. Aber Moment! Unterirdisch gehen in Velden? Und Tunnel- statt Seitenblicke? Ist das nicht ein Widerspruch in sich?

Die Antwort auf solch exponierte Fragen des Sommerfrischedaseins ist klar: Nein, ist es nicht! Schon gar nicht, wenn man jenen Tunnel durchquert, der vom Capella Hotel Schloss Velden zur feinen Terrasse des hoteleigenen "Seespitz"-Restaurants führt. Oder besser noch: der die Gäste des vor wenigen Wochen neu eröffneten Luxushotels nach unterirdischer Gabelung auch das Licht der exklusiven Seeuferterrasse erblicken lässt - den mit Abstand herrlichsten Platz, den Veldens Wasserfront zu bieten hat.

Mit "Cabanas" ist diese Richtung im Tunnel beschriftet - ideal zur Siesta sind die geflochtenen Korbliegen mit den weißen, wehenden Sonnensegeln, deren tanzende Baumwolltücher dem exklusiven Badeplatz eine duftige Leichtigkeit verleihen, ja allenfalls. Zugleich hat man hier einen essenziellen Außenposten des Schlosshotels erreicht: Bis ans Smaragdgrün des Wörthersees vorgeschoben, aber nicht exponiert, eine vor den Blicken Neugieriger geschützte Liegefläche für Yachten und Millionäre. Ideal für den Sundowner vor der etwas weiter dahinter aufragenden, schönbrunnergelben Fassade des über 400 Jahre alten Schloss Velden, das schon vor der Renovierung als eine der mondänsten Herbergen Europas galt. Ideal aber auch, um per Motorboot den äußersten, weit in den See hineingeschobenen Flecken dieses Luxushotels anzustreben: nämlich die schwimmende Yoga- und Meditations-Plattform.

Extratouren-Assistent

Solche kleine und große Exkursionen sind typisch für das Konzept der relativ neuen, zugleich exklusiven Capella Hotels und Resorts. Denn der Vorhof zum Luxus ist hier ja großzügiger gefasst, zumindest reicht er über Kärntens Seeufer hinaus. Es hätte auch ein Heli-Flug nach Wien sein können, des voraus gebuchten Operntickets wegen, ein Trip nach Venedig zur abendlichen Theateraufführung, oder im Winter, ein Heli-Hupfer aufs dann hoffentlich verschneite Nassfeld. Solche Extratouren sind typisch für den hohen Serviceanspruch, der schon vor der eigentlichen Anreise mit dem Recherche-Anruf des Personal Assistant beginnt, um so den individuelle Aufenthalt zu optimieren. Fixe Check-in/Check-out-Zeiten sind in Schloss Velden denn auch unbekannt.

Wer im ambitionierten Gourmet-Restaurant "Schlossstern" um drei Uhr morgens Deliziöses wie Störvelouté mit Krustentierflan und pochierter Felsenauster oder soufflierte Taubenbrust mit Frühlingsgemüse und Maxim-Kartoffeln an Rouennaiser Sauce ordern mag, darf sich eine auch im europaweiten Maßstab rare Late-night-Sensation erwarten - aber keine überraschten Gesichter.

Auf Vordermann gebracht, umgekrempelt, erweitert wurde schließlich ja auch das traditionsreiche Anwesen selbst, das um 22 Millionen Euro vom Vorbesitzer, dem deutschen Industriellen Gunter Sachs, erstanden und um weitere 100 Millionen saniert wurde - wobei neben der Bausubstanz wohl auch auf die enorme Popularität des einstigen Drehortes von Filmen und Fernseh-Serien aufgebaut wurde. Roy Black, der Held der TV-Schnulze "Ein Schloss am Wörthersee", muss heute trotzdem draußen bleiben - sein Denkmal bleibt eine Ferrari-Sekunde entfernt vom Hotel-Entree stehen.

Nahtlos fließen indessen die Details des Kölner Innenarchitekten Peter Silling und der dem internationalen Stil einer zeitgenössischen Modernität verpflichtete Anbau der Wiener Architekten Jabonegg & Pálffy ineinander. Zusätzlich zu den 105 Gästezimmern und Suiten wurden dabei auf 6,5 Hektar Gesamtfläche noch 45 individuell geplante Residenzen untergebracht.

Und natürlich der mit 3500 Quadratmetern ungewöhnlich weitläufige Spa-Bereich, der seinerseits Ungewöhnliches bietet: Der einzige Schneedom im deutschsprachigen Raum etwa sorgt nach Sauna-, Dampf- oder sonstigen Bädern für Abkühlung und garantiert private Schneekanonen-Coolness. Wer sich hier kalte Füße holt, tut es wenigstens mit Fünf-Sterne-Eiskristallen. (Robert Haidinger/Der Standard/Printausgabe/21./22.07.2007)

  • Penthouse und Maisonette wurden in den neu errichteten Residenzen-Trakt des Schloss Velden ausgelagert.
    foto: schloss velden

    Penthouse und Maisonette wurden in den neu errichteten Residenzen-Trakt des Schloss Velden ausgelagert.

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