Wem gehört der See?

21. Juli 2007, 15:00
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Riesige Apartmentanlagen verhütteln den Wörthersee und verwandeln das Ufer in Privatgrund. Ein Lokalaugenschein aus Kärnten

Die gut betuchten Interessenten aus Moskau staunten nicht schlecht: "Das ist ja fast so wie in Miami. Komisch, dass bei uns zu Hause niemand davon weiß." Was in den Medien und in der Bevölkerung als Aufreger rund um den Wörthersee gilt, freut den Immobilienmakler Arnulf Sorgo aus nahe liegenden Gründen. "Es ist mein Beruf, Immobilien zu vermitteln", erklärt Sorgo, "je mehr gebaut wird, desto mehr gibt es für mich zu tun."

Dichte Bebauung

Doch der Kärntner Immobilienmarkt ist nicht nur für Russen von Interesse. Es sind vor allem Italiener und Kroaten, die sich die günstigen Immobilienpreise in Kärnten neuerdings zunutze machen. Von einer möglichen Verhüttelung des Seeufers möchte Sorgo jedoch nichts wissen: "Verhüttelung am See? Das hat es eh schon immer gegeben." Das sei eine recht einseitige Betrachtungsweise.

Was in den letzten fünf Jahren entlang des Wörthersee-Ufers errichtet wurde, sprengt nämlich ohnedies alle Rekorde. Sobald eine Frühstückspension oder ein Hotel zusperrt - und das ist rund um den Wörthersee immer wieder der Fall -, lockt der schnelle Gewinn mit Abbruch und Neubau. In der Regel entstehen auf diese Art und Weise große Apartmentanlagen. "Die Verhüttelung am See tut mir in der Seele weh", erklärt Doris Scarpatetti, die sich auf die Vermittlung von Seeliegenschaften spezialisiert hat, "so dicht muss doch nicht bebaut werden."

Aktuell zählte der STANDARD rund 400 hochpreisige Ferienapartments, die Österreichs beliebtesten Badesee entlang seiner Ufer säumen. Gebaut wird praktisch überall. Das Nordufer, wo der Immobilienboom vor einigen Jahren begonnen hatte, ist von Baggern zerfurcht. Doch die Bautätigkeit wanderte längst weiter. Auch das Südufer und besonders die Veldener Bucht scheinen für Immobilienhaie von Interesse zu sein.

Das zu neuem Glanz erstrahlte Schlosshotel Velden mit seinen knapp 50 hochpreisigen Ferienwohnungen und dem Überdrüber-Luxushotel ist dabei nur der Anfang. Ein Ende der Bauwut ist noch nicht in Sicht - ganz zum Leidwesen von Ferdinand Vouk. Der Bürgermeisters der Fremdenverkehrsgemeinde will dem wilden Um-sich-Bauen jetzt einen Riegel vorschieben. Im Jahre 2003 hatte er begonnen, die attraktiven Ufergrundstücke umzuwidmen. "Ein großer Teil von Velden, besonders das Gebiet entlang der Ufer, gilt heute als reines Kurgebiet. Darin werden wir ausschließlich Fremdenverkehrsbetriebe bewilligen."

Garaus für Apartments

Private Apartmentprojekte sind in Zukunft also nicht mehr möglich. So gesehen dürfen sich die Kunden des Auenhof-Ressorts - einer luxuriösen Villen- und Apartmentanlage samt Bootshaus - besonders glücklich schätzen. Eine derartige Anlage wäre heute nicht mehr möglich. Zwischen 360.000 und 550.000 Euro kosten die Einheiten, sagt der Vermarkter Dieter Paulitsch vom Klagenfurter Büro Dr. Max Huber. Mit Sicherheit könne man in den kommenden Jahren mit einer Wertsteigerung rechnen.

Die Folgen der Verhüttelung bekommen die ersten Bauträger bereits zu spüren. So hat die Baufirma Madile am Südufer eine Anlage mit 50 Apartments sowie ein 39-Betten-Hotel errichtet - das Hotel war Vorschrift der Behörde. Das weitgehend fertig gestellte Projekt wird seit dem Vorjahr vermarktet.

Neues Konzept gegen sinkende Auslastung

Die Frage, die sich am Wörthersee nun stellt: Was tun mit einer Pension, die sich nicht mehr rechnet? Vor zehn Jahren waren Wörthersee-Hotels im Schnitt noch 110 Tage pro Jahr belegt. Heute sind es 75 Tage - Tendenz sinkend. Eine mögliche Antwort darauf hat Peter Trixner von der Klagenfurter SWE Immobilienentwicklungs GmbH gefunden. Sein "Purples"-Konzept sieht die Errichtung eines Hotels vor, bei dem jede Einheit parifiziertes Einzeleigentum ist. Die Käufer werden verpflichtet, ihre Apartments an eine Hotelgesellschaft zu vermieten. Diese garantiert den Käufern zumindest vier Prozent Rendite. Nach zwei Jahren verspricht Trixner bereits eine effektive Rendite von sechs bis acht Prozent.

Dass dieses Konzept funktioniert, hat Trixner bereits auf der Turracher Höhe bewiesen. Ein vor fünf Jahren errichtetes Projekt wirft bereits zehn Prozent Rendite ab, ein zweites Projekt aus dem Jahr 2005 liegt heute bereits bei über sechs Prozent. Eine Frage bleibt offen: Ist das nun des Rätsels Lösung, um die Verhüttelung am Wörthersee zu stoppen? (Gerhard Rodler, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.7.2007)

  • Was in den letzten fünf Jahren entlang des Wörthersee-Ufers errichtet wurde, sprengt alle Rekorde.
    foto: s velden

    Was in den letzten fünf Jahren entlang des Wörthersee-Ufers errichtet wurde, sprengt alle Rekorde.

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