Aus Kälteferien wurde nichts

25. Juli 2007, 11:20
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Österreich ist für arabische Urlauber heißer als das Heimatland

Wenn es in arabischen Ländern im Sommer zu Temperaturen knapp unter 50 Grad kommt, nehmen begüterte Reisende zur Erfrischung gerne Reißaus in europäische Gefilde. Dort werden bei für die Touristen ungewohnt frischen Wetterverhältnissen nicht minder exotische Grünflächen und Seen bestaunt. Auch Österreich ist ein beliebtes Abkühlungsurlaubsziel: Von saudi-arabischen Frischvermählten auf Flitterwochen bis hin zur nach Kälte lechzenden Großfamilie aus Dubai: Wien, Salzburg und Zell am See sind dabei die Top-"nicht so-hot-wie-zu-Hause"-Spots.

Die Nächtigungszahlen von Touristen aus den arabischen Ländern Asiens schnellen in den Sommermonaten in die Höhe: Während in den Frühlingsmonaten Bucherzahlen um die 6.000 erreicht werden, gab es im Juli 2006 über 35.000 Hitzefluchtnächtigungen in Österreich.

Die Temperaturen des heurigen Rekordsommers lassen aber auch die wärmeresistenten Gäste stöhnen. Jene Urlauber, die mit Hoffnung auf unbekannte Wetterverhältnisse wie Salzburger Schnürlregen, nach Österreich gekommen waren, zeigen sich nun von den heimatähnlichen Temperaturen enttäuscht.

Mit 20 Grad gerechnet In die vermeintliche Kühle gereist wird meist im großen Stil: Sara aus Katar zog es mit der ganzen Familie samt Tanten und Cousins nach Wien. Beim Shoppen mit den Cousinen auf der Wiener Kärntner Straße wundert sich die 17-Jährige über die hohen Temperaturen: "Es ist genauso heiß wie zu Hause". Sie relativiert aber durch den Zusatz, dass es in Katar manchmal sogar 45 Grad hätte. Das Mädchen, das sich trotz Hitze für die traditionelle schwarze Abaia entschieden hat, hatte sich eigentlich auf Temperaturen um die 20 Grad gefreut: "Man hat uns gesagt, in Österreich gäbe es kühles Wetter". Ärgerlich findet sie auch die wenig ausgeprägte Kühlungskultur in Österreich - "Es gibt kaum Klimaanlagen!"

Schlimmer als daheim Auch Khalil Alibilali, ein saudi-arabischer Buchhalter, der Österreich mit Frau und Sohn als kühle Sommerdestination anvisierte, ist perplex, dass es im gebuchten Hotel keine Klimaanlage gibt. Derartiges sei daheim in Saudi-Arabien Standardausstattung.

Die wenigen Kühlungsgerätschaften in Österreich verwundern auch die 26-jährige Saudi-Araberin Alaa El-Khodary: "Wien ist die schönste Hauptstadt Europas, aber die Klimaanlagen hier sind schrecklich schwach." Das mache die Hitzesituation sogar schlimmer als im Heimatland. Der Urlauberin aus Jiddah ist auch nicht entgangen, dass viele andere Araber in Österreich vergebens Abkühlung suchen. In Schönbrunn habe sie sich mit einer Landesgenossin über die Klimaanlagenknappheit ausgetauscht und entrüstet festgestellt: "Im Schloss gibt es ja gar keine!" (Maria Antonia Graff/DER STANDARD-Printausgabe, 21./22.7.2007)

  • Die 17-jährige Sara aus Katar (li.) beim Shoppen auf der Wiener Kärntner Straße: In Österreich ist ihr und ihren Cousinen "gensuo heiß wie zu Hause".
    foto: christian fischer

    Die 17-jährige Sara aus Katar (li.) beim Shoppen auf der Wiener Kärntner Straße: In Österreich ist ihr und ihren Cousinen "gensuo heiß wie zu Hause".

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