Extrabetten für Hitzeopfer

25. Juli 2007, 11:20
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Wie viele Menschen tatsächlich wegen der Hitze früher sterben, ist schwer zu sagen

In der Wiener Rudolfstiftung sind sogar eigene Betten für Hitzeopfer reserviert.

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Wien/Linz - Elisabeth Kremeier ist sehr vorsichtig, wenn sie ihre Zahlen präsentiert. Schließlich will die Vorsitzende des Landessanitätsrates in Wien keine Panik aufgrund vorläufiger Daten riskieren. Denn: "Wie viele Menschen aufgrund der Hitze jetzt gestorben sind und nicht noch einige Wochen gelebt haben, wird sich erst im Nachhinein zeigen", stellt sie im Gespräch mit dem Standard klar.

"Übersterblichkeit" nennen die Mediziner und Statistiker dieses Phänomen, das normalerweise Seuchen- oder Grippeepidemien kennzeichnet. "Bei dieser Übersterblichkeit gibt es immer, unabhängig von der Temperatur, eine gewisse Wellenförmigkeit über einen längeren Zeitraum", erläutert Kremeier.

Die Temperaturen jenseits der 30 Grad haben aber offensichtlich Folgen: Im Vergleich zu den heißesten Tagen der aktuellen, 29. Kalenderwoche 2006 und 2007 sind in Wien um rund 30 Prozent mehr Leichenbeschauen durchgeführt worden, der Gesamtexitus liegt um ein Viertel höher, rechnet die Expertin vor.

Faktor Klimawandel

Die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb geht davon aus, dass der Klimawandel bis zum Ende des Jahrhunderts die Übersterblichkeit um den Faktor sechs bis sieben erhöhen könnte. Mit entsprechender Anpassung könnte man aber gegensteuern, sagte sie am Freitag bei einer Pressekonferenz in Linz.

Bei mindestens fünf Toten in ganz Österreich geht die Rettung von einem ursächlichen Zusammenhang mit der Temperatur aus. Freitag brach eine 75-jährige Wienerin zusammen und starb vermutlich an Kreislaufversagen. In der Dusche erstickte in dieser Woche eine junge Wienerin an einer Kohlendioxidvergiftung - die Abgase der Gastherme konnten wegen der hohen Temperaturen nicht abziehen. Für das heiße Wochenende sind in der Krankenanstalt Rudolfstiftung Betten für Hitzeopfer reserviert. Abkühlen soll es erst am Dienstag.

Die anderen drei Opfer gab es in der Steiermark: Ein 56-jähriger Obdachloser ist in der prallen Sonne auf einer Parkbank in Graz eingeschlafen und gestorben, eine 80-jährige Grazerin brach in ihrer "aufgeheizten" Wohnung zusammen, und in Knittelfeld erlitt ein 83-Jähriger einen Herzstillstand.

Ozonbelastung durchschnittlich

Die Ozonbelastung sei zwar in den vergangenen Tage hoch gewesen, im langjährigen Vergleich aber heuer im Durchschnitt, erklärte Jürgen Schneider vom Umweltbundesamtes. Bis Freitag gab es elf Tage, an denen der Informationsschwelle überschritten wurde, an drei Tagen ist die Alarmschwelle.

Auf Sofortmaßnahmen bei einer Überschreitung setzen die meisten Bundesländer übrigens nicht, da die Meinung vorherrscht, dass diese an der bestehenden Situation nichts ändern. In Vorarlberg wird das anders gesehen, Öffis sind dann gratis. (pm, moe/DER STANDARD-Printausgabe, 21./22.7.2007)

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