Eine Hitzewoche, viele Unterschiede

25. Juli 2007, 11:20
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Regionale Folgen des Sommers differieren von Bundesland zu Bundesland

Die bisher heißeste Woche des Jahres ist zu Ende, die Hitzewelle dauert noch ein bisschen an. Frühestens am Dienstag sollen in ganz Österreich die Temperaturen wieder unter 30 Grad fallen, sagen die Meteorologen. Die sich mit den exakten Vorhersagen etwas schwer tun, wie Marius Menz vom Wetterdienst Meteomedia eingesteht: "Die heißeste Zone liegt über Ungarn, die Grenze zu den ,kühleren' Regionen über Ostösterreich ist relativ scharf und schmal." Die Folge: Die Computermodelle bringen ständig neue Ergebnisse: "Am Donnerstag hat es noch ausgesehen, als ob auch der Dienstag heiß wird. Einen Tag später sagte das Modell dagegen, dass der Dienstag gewittrig wird."

Die Folgen der heißen Woche waren in Österreich aber höchst unterschiedlich, wie ein Standard-Rundruf zeigt. In der Steiermark sind nicht nur die meisten Hitzetote zu beklagen, August Bäck vom Roten Kreuz hat auch um ein Fünftel mehr Ausfahrten der Rettungsfahrzeuge registriert. Auffallend für Bäck: "Wir haben einen deutlichen Anstieg bei den Arbeits- und Verkehrsunfällen. Nicht unbedingt mit schweren Folgen, aber viele, viele kleine Zwischenfälle". Belegen könne er es nicht, aber er schiebt die Unfälle auf Unkonzentriertheit durch die Hitze.

Fenster versus Garten In Wien kann Peter Goldgruber von der Polizei das nicht aus der Einsatzstatistik der hauptstädtischen Exekutive herauslesen. Zwar wurde die Polizei in der abgelaufenen Woche um rund 15 Prozent öfter gerufen als in der Woche davor. "Aber bei den Verkehrsunfällen mit Sachschaden gibt es keine erkennbare Tendenz", meint Goldgruber. Ebenso wenig bei Streitigkeiten oder Gewalt in der Familie. Anders beim Lärm. Da hat sich die Zahl der Einsätze fast verdreifacht - offene Fenster in der Nacht sind die Feinde des Schanigartens.

Beim Roten Kreuz in der Bundeshauptstadt wiederum ortet Rettungsdienst-Leiter Christoph Redelsteiner eine deutliche Zunahme der Einsätze, ein Plus von 20 Prozent rechnet er der Temperatur an. Eine so genannten Übersterblichkeit registriert er aber bis dato nicht.

Überhaupt "nicht existent" ist ein Ausfahrtsplus beim Roten Kreuz in Oberösterreich, berichtet Sprecherin Nina Panholzer. Und kommt damit zum selben Ergebnis wie Melanie Reiter, ihre Kollegin in Kärnten. In Tirol und Vorarlberg ist das Einsatzniveau heuer ebenso unauffällig, in der Innsbrucker Klinik registriert man jedoch 20 bis 25 mehr Patienten.

Unkonzentriertheit auf den Autobahnen

Auf den Autobahnen zeigen sich die riskantesten Folgen der sommerlichen Unkonzentriertheit heuer nicht, sagt man beim Verkehrsservice von Ö3. Denn im vergangenen, kühleren, Jahr gab es bis zum 20. Juli 31 Mal Geisterfahreralarm, heuer musste das Radioprogramm erst 24-mal unterbrochen werden. Ein Drittel dieser Warnungen, acht Stück, gab es dabei an einem Tag, dem 30. Juni.

Interessant auch, die Zahl der Rettungseinsätze in dieser Woche dem gleich Zeitraum im Vorjahr gegenüberzustellen. Damals hatte es in den Landeshauptstädten laut Meteomedia zwischen knapp 24 und 35 Grad, heuer sind es zwischen 26 und knapp 37 Grad. In Niederösterreich hat das Rote Kreuz heuer dennoch ungefähr gleich viele Ausfahrten verzeichnet, im Burgenland waren es 2006 sogar um zehn Prozent mehr. Entscheidender sind regionale Besonderheiten: Bei den Festspielen in Mörbisch und im aufgeheizten Steinbruch von St. Margareten hatten die Sanitäter heuer deutlich mehr Arbeit. (Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 21./22.7.2007)

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