US-Militär verlangt mehr Zeit

26. Juli 2007, 13:16
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Strategieprüfung erst im November

Washington/Bagdad - Im kommenden September wollte US-Präsident George W. Bush eigentlich die neue amerikanische Strategie auf dem Schlachtfeld im Irak einer umfassenden Überprüfung unterziehen. Also klären, ob durch den so genannten "surge", also der Aufstockung der US-Truppen um gute 20.000 Mann, das Ruder militärisch herumgerissen werden konnte. Daraus wird aber nun offenbar nichts: Das US-Militär verlangt mehr Zeit.

"Um zu einer guten Lageeinschätzung zu kommen, brauche ich wenigstens bis November", sagte Raymond Odierno, der zweithöchste US-Kommandant im Irak am Donnerstag in Bagdad. Die Aufstockung der Truppen habe zu ersten Erfolgen geführt. So sei die konfessionelle Gewalt in Bagdad um die Hälfte zurückgegangen. Aber frühestens im November könne beurteilt werden, ob die Fortschritte dauerhaft seien, sagte Odierno.

Auch der US-Botschafter im Irak, Ryan Crocker, verlangte in einer Video-Zuschaltung in einer Anhörung des außenpolitischen Senatsausschusses in Washington mehr Zeit. Der für September geplante Bericht vom US-Oberkommandierenden im Irak, David Patraeus, und von Botschafter Crocker zur Lage im Irak, gilt als zentral bei der möglichen Festsetzung eines US-Abzugtermines. Der demokratische Bewerber um die Kandidatur zum Präsidentenamt, Barack Obama, sagte unterdessen, dass die USA ihre militärische Macht nicht zur Lösung humanitärer Probleme in der Welt einsetzen können.

Auch die Gefahr eines Völkermordes im Irak nach einem Abzug des US-Truppen sei kein ausreichender Grund für eine fortgesetzte Stationierung, sagte Obama. Eine Truppenreduktion hat zeitgleich das britische Innenministerium angekündigt: Bis zum Ende 2007 sollen statt der bisher 5500 nur noch 5000 britische Soldaten im Süden des Irak stationiert sein, hieß es aus London.

Dänemark fliegt Dolmetscher aus

Dänemark hat am Freitag rund 80 irakische Militärangestellte und ihre Familienangehörigen aus dem Irak ausgeflogen. Dies wurde angeordnet, um die Sicherheit der Iraker zu gewährleisten, hieß es aus dem Verteidigungsministerium in Kopenhagen. Insgesamt wurden rund 200 Menschen nach Dänemark gebracht. Der dänische Botschafter im Irak, Bo Eric Weber, sagte, die Entscheidung sei gefallen, nachdem im vergangenen Dezember ein irakischer Angestellter der Armee ermordet worden war. "Sie waren rund vier Jahre für uns tätig. Diejenigen, die im Irak um ihre Sicherheit fürchteten, haben Visa für Dänemark erhalten", sagte Botschafter Weber. (AP, Reuters, AFP, red, DER STANDARD, Printausgabe 21./22.7.2007)

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