Zum Kiefer ein paar Opernkarten

20. Juli 2007, 17:34
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Die diskreten Lustbarkeiten der Kunstsammler

Am Ende des Horizonts zeichnet sich der Untersberg ab. Wie eine Kulisse dazwischengeschoben, prangt die barocke Villa Emslieb. Und hier, mitten im Park des Lustschlösschens vor den Toren der Stadt, macht ein Swimmingpool aus schwarzem Granit Furore: BE AMAZING ist in den steinernen Grund eingraviert, BE AMAZING steht am Beckenrand zu lesen. Der eleganten Aufforderung stehen die geladenen Gäste etwas hilflos gegenüber. Ja, was denn? Würden sie denn sonst hier sein, wenn sie nicht "erstaunlich, verblüffend toll" wären?

Da, wo die Künstlerin Sylvie Fleury ihr Mahnmal für den Luxus angelegt hat, teilte im Jahr 1618 ein künstlicher Kanal die barocken Zierbeete. In ihm wurden, ähnlich wie im benachbarten Hellbrunn, seltene Wasservögel gehalten. Heute stelzen hier, Kranichen gleich, Gattinnen auf Stilettos durch den Kies, in der Hand ein Glas Champagner. Ihre Männer sind deutsche Unternehmer, Investmentbanker, Museumsdirektoren oder Dirigenten. "Nur ein kleiner Lunch" war vom Galeristen angedacht, um die Vernissage in der Stadt mit einer Lustbarkeit hier draußen zu krönen. Oben, im ersten Stock der Villa, werden einander dann bei Tisch fremde Menschen gegenübersitzen, die meisten von ihnen Sammler oder solche, die es noch werden wollen. Dass sie keinen Gesprächsstoff haben, macht nichts, dafür sorgen behutsam platzierte Personen, deren Namen oder Gesicht man schon einmal irgendwo gesehen hat.

"Ach, Sie sind Bianca Jagger? Angenehm, Flick. Wie? Nein, das ist der Onkel. Kunst? Nein, BWL, in Mailand." Grund zum Feiern gibt es immer, auch heute ist die Ausstellung des jungen deutschen Shooting-Stars schon ausverkauft, bevor sie richtig begonnen hat. Sie hätten gerne in das junge Talent investiert, waren aber zu spät dran? Kein Problem, in Paris sind noch ein paar Werke on stock.

Kurz kommt Bewegung in die Catering-Crew: Der Künstler (Berlin, Underground, Fred Perry-Shirt) ist Vegetarier, das kommt vor, für solche Fälle stellt man gerne eine Gemüseplatte zusammen. Ganz entspannt gehe es zu bei den Millionären, erzählt er dann, das sei ihm schon bei der Pre-Preview aufgefallen. Hysterie war gestern, für Skandale interessieren sich bestenfalls die Medien.

Hier, zwischen Aubusson-Teppichen, Andy Warhols, Kristalllustern und vergoldetem Stuck (der erste Hausherr, ein Neffe von Markus Sittikus, musste übrigens wegen Maßlosigkeit das Land Salzburg verlassen) geht es heiter gedämpft zu. Francesca, Agnes, Eliette und Klaus Albrecht sind liebe Freunde und verlässliche Business-Partner (Kommt Elite vielleicht gar von Eliette?). Hinter dem Kult des Privaten (zu Thaddaeus Ropac und Francesca Habsburg gibt es keine Wikipedia-Einträge) läuft eine gut geschmierte Maschine, deren Rädchen bei MoMa, Guggenheim, Deutscher Bank und Albertina ineinandergreifen.

Schriller Festspielrummel à la Thomas Gottschalk ist etwas für den Boulevard. Im Inner Cercle von Salzburg verschmelzen die Kunst, Sponsoren, Art-Dealer und Sammler zu einem logischen Amalgam.

Mit der Diskretion eines Genfer Bankiers und der schüchternen Nonchalance des jungen Yves Saint Laurent hat Thad-daeus Ropac dabei über die Jahre die Verhältnisse umgedreht. Einst kauften Festspielgäste nebenher ein bisschen Kunst, heute kaufen Kunstsammler zu ihrem Anselm Kiefer noch ein paar Opernkarten dazu. (Clarissa Stadler, ALBUM/DER STANDARD/Printausgabe, 21./22.07.2007)

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