Europa: Uneinheitlich nach ebensolchen Halbjahreszahlen

26. Juli 2007, 13:16
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Ein Kommentar von Alexander Zuber aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die europäischen Börsen konnten sich in der abgelaufenen Handelswoche nicht eindeutig für eine Richtung entscheiden. Dafür verantwortlich waren sowohl gemischte Konjunkturdaten als auch uneinheitliche Zahlen der Unternehmen zum Beginn der Berichtsaison für das erste Halbjahr. Der weiter ansteigende Ölpreis war für die Märkte ebenfalls wenig hilfreich.

Die monatelangen Verhandlungen des weltweit viertgrößten Tabakkonzerns Imperial Tobacco (West, Davidoff) zur Übernahme des Konkurrenten Altadis scheinen demnächst ein Ende zu finden. Nach zweimaliger Erhöhung des Kaufangebotes empfahl das Altadis-Management den Aktionären das Angebot zu akzeptieren. Imperial Tobacco offerierte statt EUR 47 die erhofften EUR 50/Aktie und somit eine Gesamtsumme von EUR 16,2 Mrd.

Der Software-Konzern SAP hat den Gewinn im zweiten Quartal dank operativer Ertragsverbesserungen und einer mit 25,8% wesentlich niedrigeren Steuerrate unerwartet gesteigert. Beim Nettoergebnis übertraf SAP die Erwartungen der Analysten deutlich. Dieses kletterte von EUR 415 Mio. auf EUR 449 Mio. im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Analysten hatten wegen einer erwarteten höheren Steuerlast sowie gestiegener Forschungs- und Entwicklungskosten im Vergleich zum zweiten Quartal 2006 mit einem Gewinnrückgang auf EUR 395 Mio. gerechnet. Angetrieben von dem positiven Ergebnis wurden SAP-nteilsscheine um ca. 7% höher gehandelt. Der finnische Engineeringkonzern Cargotec musste im zweiten Quartal Gewinneinbußen von 14% verbuchen. Der Absatz des finnischen Konzerns fiel verglichen mit dem Jahr zuvor von EUR 40,6 Mio. auf EUR 35,1 Mio. Nach der Verkündung des Quartalsberichts notierten die Valoren um ca. 7% schwächer.

Überraschend starke Quartalszahlen konnte auch der pharmazeutische Konzern Roche vorlegen. Das schweizerische Unternehmen steigerte seinen Gewinn im ersten Halbjahr um 27% auf CHF 7,48 Mrd. und erzielte ein Umsatzwachstum von 15%. Als stärkste Sparte erwiesen sich erneut onkologische Medikamente mit einem Absatzzuwachs von 22%.

Mit einem weiteren Anstieg des Nettoergebnisses rechnet der niederländische Brauereikonzern Heineken. Der bislang prognostizierte Zuwachs von bis zu 13% wurde somit auf 25% angehoben. Die zahlreichen Akquisitionen in Osteuropa und Asien dürften sich somit rentieren. Heinekenaktien zogen im Wochenvergleich um bis zu 9% an.

Anfang der Woche erreichten die Übernahmeverhandlungen der täglich neue Verluste im Rahmen von EUR 1,4 Mio. erwirtschaftenden italienischen Fluglinie Alitalia einen erneuten Tiefpunkt. Für das hoch verschuldete Unternehmen rückte nach der Absage der vorerst letztverbliebenen Interessenten AirOne eine Liquidation näher. Unterdessen ließ Aeroflot am Mittwoch dagegen überraschend durchblicken, eventuell doch wieder Interesse an der italienischen Fluggesellschaft zu haben. Für den Verkauf der 49,9%igen Regierungsanteile sei jedoch eine Änderung der Voraussetzung der Privatisierung eine Bedingung.

Bei Iberia gab es über eine Übernahme keine weiteren Neuigkeiten. Sowohl Air France-KLM als auch British Airways werden mit der spanischen Fluglinie in Verbindung gebracht.

Einen ähnlich nervösen Fortgang der europäischen Märkte erwarten wir für die nächste Handelswoche. Es stehen sowohl Konjunkturdaten auf der Agenda, als auch die voll anlaufende Berichtsaison der Unternehmen zum ersten Halbjahr.

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