Spießer, ahoi

21. Juli 2007, 17:00
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Gewissenhafte sind am erfolgreichsten. Egal ob im Management, als Freiberufler – schon in der Schule

Gewissenhafte Leute holen mehr aus sich heraus, ihr innerer Dompteur, ihre Selbstdisziplin und ihre Leistungsorientierung bringt ihnen bessere Noten, mehr Erfolg im Beruf, höheres Einkommen und höheren Status.

Auch wenn einem Lebenskünstler mit lustigen Sprüchen auf den Lippen, nie um Ausreden verlegen und voll glühenden Esprits, sympathischer vorkommen und man Gewissenhaftigkeit gern ins kleinkarierte Spießbürgertum verfrachten möchte: Bei gleicher Intelligenz sind die Leichtfüße erfolgloser als Gewissenhafte.

50.000 Lebenswege hat der Persönlichkeitspsychologe Peter Borkenau von der Uni Halle-Wittenberg mit seinen Kollegen untersucht, und er kann belegen: Von den fünf großen Persönlichkeitsdimensionen korrelliert die Gewissenhaftigkeit (Sorgfältigkeit, Pflichtbewusstsein, Gründlichkeit, Pünktlichkeit etc.) am stärksten mit Berufserfolg. Zum Hearing erscheinen Gewissenhafte akribisch vorbereitet (Personality Research). Welche Persönlichkeitsfaktoren für Führungskräfte entscheidend sind und welche Kompetenzen geschult und verfeinert werden sollten, darüber diskutierten auch unsere Experten im Mentoring Circle.

Abseits vom Job: Wer sich selbst gewissenhaft „an der kurzen Leine“ führt, sich gut gegen innere Widerstände und Ablenkungsgelüste im Griff hat, lebt auch länger – und gesünder. Das haben die beiden US-Forscher Alexander Weiß und Paul Costa (National Institute of Health) herausgefunden. Passt zu so viel Disziplin auch Glücksempfinden? Ja. Sagt die Forschung (Psychologie heute). Gewissenhafte sind demnach stabiler und glücklicher. In recht purer Ausprägung kann Gewissenhaftigkeit im Alltag schon ganz schön nervig sein. Das ist eine permanente Spaß-Einstellung nach dem totalen Lustprinzip aber nicht weniger. Welchen Typ bevorzugen wohl Personalverantwortliche? (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe 21./22.7.2007)

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