"Hardware Soft Skills" für künftige Chefs

21. Juli 2007, 17:00
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Über die wichtigsten Eigenschaften guter Führungskräfte sprachen Experten aus Wirtschaft und Forschung beim Standard Mentoring Circle

"Die ideale Führungskraft gibt es auch im 21. Jahrhundert nicht", beantwortete ÖBB-Personalchef Franz Nigl am Montagabend bei einer Podiumsdiskussion des Standard Mentoring Circle die Frage von KarrierenStandard-Leiterin Karin Bauer, was denn deren wichtigste Eigenschaften seien. "Was ich mir aber wünsche, ist, dass er oder sie Mensch bleibt und Spaß an der Arbeit hat", setzte Nigl nach.

"Kommunikationsfähigkeit und Freude an der Arbeit" stehen für Karriereforscher Michael Meyer, Leiter des Instituts für Non-Profit-Forschung der WU Wien, an erster Stelle. Natürlich sollte auch die fachliche Kompetenz einer Führungskraft "nicht zu schwach ausgebildet sein"; es sei jedoch keineswegs so, dass der beste Fachexperte die beste Führungskraft sei. Als unerlässlich sieht Meyer Kontaktfähigkeit, Gelassenheit sowie Fairness: Mitarbeiter gerecht zu behandeln sei eine Latte, "über die man leicht springt". Für Birgit Baumgartner, Leiterin der Human Resources bei der Kommunalkredit, zählt zu den wichtigsten Kompetenzen einer guten Führungskraft das Bewusstsein, "eine Vorbildfunktion" innezuhaben: "So wie ich mit meinen Mitarbeitern umgehe, so werden diese es auch weitergeben."

Im Umgang mit den Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz offenbare sich, wie glaubwürdig jemand ist, zeigte sich die Geschäftsführerin der WU Executive Academy, Astrid Kleinhanns, überzeugt. Als zentrale Eigenschaft bei Führungskräften machte sie "eine gewisse Entscheidungsfreude" fest. Ein falsch erlerntes Demokratieverständnis könnte sich in wichtigen Fragen durchaus als hinderlich erweisen. Nicht zuletzt, sagte Kleinhanns, sollten Führungskräfte ein starkes Interesse daran haben, "ihre Mitarbeiter weiterzuentwickeln" – und auch wissen, wie diese Notwendigkeit am besten umzusetzen ist.

Auf dem Weg zur Führungstauglichkeit ist die Erweiterung der persönlichen "Soft Skills" vonnöten, waren sich die Experten allesamt einig. Man könne wohl nicht alles lernen, aber sehr viel verfeinern und üben. In der Regel "sollten die Grundlagen dafür schon da sein", sagte Meyer und verwies auf die Sozialisation in Schule und Familie, die das "Rüstzeug" dafür bereitstelle. Die Wahl des richtigen Weiterbildungstools sei jedenfalls keine einfache: "Das Problem dieses Marktes ist, dass man oft einfach etwas ausprobieren muss, um zu merken, ob es auch etwas taugt."

Ob bei den Bildungsmaßnahmen zur Führungskräfteentwicklung mitunter die Zertifizierung bzw. der Erwerb eines bestimmten Labels im Vordergrund stünde? Das Bedürfnis nach Weiterbildung gehe stets mit einer Zielsetzung einher, so Kleinhanns: Wenn am Ende ein Abschluss, etwa ein akademischer Titel, winke, dann sei die Richtung klarer. Der Weg dorthin sei zunehmend eine Mischung aus betrieblicher Förderung und privatem Engagement. (Bernhard Madlener, Der Standard, Printausgabe 21./22.7.2007)

  • Franz Nigl, Personalchef der ÖBB, Astrid Kleinhanns, Geschäftsführerin der WU Executive Academy, HR-Leiterin Birgit Baumgartner, Kommunalkredit Austria und WU-Karriereforscher Michael Meyer im Gespräch mit Karin Bauer.
    foto: hendrich

    Franz Nigl, Personalchef der ÖBB, Astrid Kleinhanns, Geschäftsführerin der WU Executive Academy, HR-Leiterin Birgit Baumgartner, Kommunalkredit Austria und WU-Karriereforscher Michael Meyer im Gespräch mit Karin Bauer.

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