Trainer kritisieren ÖFB-Präsidenten

30. Juli 2007, 11:35
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Sticklers Forderung nach vermehrten Einsätzen der U20-Spieler löst bei Peter Pacult und Co. Unverständnis aus

Wien - Der Großteil der Trainer in der österreichischen Fußball-Bundesliga ist sich in einer aktuellen Frage einig. Die Spieler der österreichischen U20-Nationalmannschaft, die bei der WM in Kanada am Sonntag gegen Chile um Platz drei spielt, werden ihren Weg machen - wenn sie sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Kein junger österreichischer Spieler werde um seine Einsätze bangen müssen, wenn er regelmäßig seine Leistung bringt und vor allem hart an sich arbeitet, lautete der beinahe einheitliche Tenor.

Die Forderung von ÖFB-Präsident Friedrich Stickler an die Präsidenten der Bundesliga-Klubs, ihren Trainern den Rücken zu stärken und mehr auf junge, österreichische Spieler zu setzen, halten viele Coaches daher für überflüssig. "Es kann nicht sein, dass einer sagt: Wir müssen Druck auf die Präsidenten machen, damit die Druck auf die Trainer machen", meinte Rapid-Coach Peter Pacult. "Wenn man nur auf Junge setzt und dann dreimal in Serie verliert, lästert man gleich wieder über den Trainer."

"Er spielt nun nicht mehr gegen einen 19-Jährigen, sondern gegen Sedloski"

Pacult stieß in erster Linie das allgemein große Medienecho auf die Auftritte von Erwin "Jimmy" Hoffer auf. "Man darf nicht vergessen, dass man sich von Jimmy jetzt Wunderdinge erwartet. Aber er spielt nun nicht mehr gegen einen 19-Jährigen, sondern gegen einen Spieler wie Sedloski." Ob seine beiden WM-Stars - neben Hoffer auch Veli Kavlak - nach wochenlanger Absenz bei den Grün-Weißen bald zum Einsatz kommen, wollte Pacult ("Ich weiß ja nicht einmal, wann sie zurückkommen") nicht beantworten.

Auch andere Trainer signalisierten Unverständnis. "Diese Diskussion ist uninteressant", meinte etwa Sturm-Coach Franco Foda. "Ich verstehe nicht, wie der ÖFB-Präsident so etwas fordern kann. Wenn ein Junger gut ist, dann spielt er auch. Aber das darf ein Trainer hoffentlich selbst entscheiden." Ausschlag gebend sei einzig und allein die Qualität. "Qualität ist für mich, wenn jemand über 30 Spiele in einer ganzen Saison konstant gut spielt", erklärte Foda, der bei Sturm selbst einige Jungstars geformt hat. "Aber auch junge Spieler müssen sich Woche für Woche neu beweisen."

Verständnis von Gludovatz

Schenken dürfe man den Nachwuchs-Stars nichts. Das wäre auch nicht gut. "Man kann nicht sagen, dass sie unbedingt spielen müssen. Die Jungen dürfen einfach nicht beim ersten Gegenwind aufgeben. Der Großteil hat sich in den eigenen Teams ohnehin bereits etabliert", meinte LASK-Trainer Karl Daxbacher. "Wer im Training hart und ehrlich arbeitet, dem wird man auch einmal ein schwächeres Spiel verzeihen", versicherte Mattersburg-Coach Franz Lederer.

In ihrer grundsätzlichen Meinung stimmen die Bundesliga-Trainer mit U20-Teamchef Paul Gludovatz überein. Der Burgenländer glaubt nicht an einen Bonus für seine WM-Helden. Das Schlechteste sei, wenn junge Spieler nun nur wegen des öffentlichen Drucks in die Kampfmannschaft rücken. Stattdessen sollen sie weiter denselben Elan wie bei der Nachwuchs-WM an den Tag legen, um ihren Fähigkeiten zu verbessern, meinte Gludovatz. Denn zumindest eine Hand voll U20-Spieler habe großes Potenzial. Auch darüber sind sich die Bundesliga-Trainer einig.

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    Peter Pacult weiß nicht, wann Hoffer wieder in Hütteldorf ist.

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