"Grenzen für Arbeitskräfte weiter öffnen"

20. Juli 2007, 17:00
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Barbara Beck vom Personaldienstleister Manpower im Gespräch mit Heidi Aichinger über die Trends am Arbeitsmarkt

In Norwegen fehlen Techniker, in Polen Bau- und landwirtschaftliche Arbeiter. Und auch Österreich sollte für den notwendigen Zustrom an internationalen Arbeitskräften die Grenzen weiter öffnen, sagt Barbara Beck vom Personaldienstleister Manpower im Gespräch mit Heidi Aichinger.

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Der Standard: Die Latte an Skills, Wissen und Erfahrung wird für Jobkandidaten immer höher gelegt. Ist die Suche nach der so genannten Eier legenden Wollmilchsau denn noch realistisch?
Beck: Arbeitgeber wollen den perfekten Kandidaten mit den perfekten Skills im perfekten Alter gleich beim ersten Interview. Das ist sicher keine realistische Erwartung. Eher sollten wir verstärkt darüber nachdenken, welchen Einflüssen die Arbeitswelt ausgesetzt ist und ausgesetzt sein wird.

Der Standard: ... wie die demografische Entwicklung?
Beck: Ja. In den nächsten Jahren wird ein großer Teil der Arbeitskräfte in Pension gehen. Oder: die technologischen Voraussetzungen und ihr Einfluss auf die Produktivität. Und dann wäre da noch die Globalisierung. Wenn wir uns nur diese externen Faktoren anschauen, ist klar, dass es darauf ankommen wird, die richtige Person mit den richtigen Skills zur rechten Zeit am rechten Ort zu haben.

Der Standard: Talent-Management also auch bei Manpower ...
Beck: Das wird für jeden ein Imperativ werden. Man muss wissen, was man heute und was man in Zukunft brauchen wird. Zudem muss ich mir für die Belegschaft laufend überlegen, wie ich sie weiterbilden und entwickeln kann – auf jeder Ebene und in jedem Bereich wird es wichtig sein, die Skills möglichst frisch zu halten. Talent-Management wird über Erfolg und Misserfolg eines Unternehmen entscheidend sein.

Der Standard: Das ist schwierig, zumal die HR in vielen Fällen noch kein Teil der Strategie ist.
Beck: Überall dort, wo Talent-Mangement ein Thema ist, schon. Und überall sonst steigt das Bewusstsein dafür stark an. Die Arbeitgeber realisieren, dass es notwendig ist, um auch ihre finanziellen Ziele zu erreichen. Der „war for talents“ nimmt eine zunehmende Bedeutung ein.

Der Standard: Gibt es da regionale Spezifika?
Beck: Ja. In der Tat gibt es bestimmte Ausprägungen in der Talentsuche je nach Region. Norwegen hat akuten Technikermangel – es wird bereits europaweit rekrutiert. Die Arbeitslosenrate für Techniker dort liegt bei unter einem Prozent. Es wird auch für Österreich ratsam sein, seine Grenzen weiter für internationale Arbeitskräfte zu öffnen.

Der Standard: Wird Ihrer Ansicht nach die Nähe zu Ausbildungsstätten – etwa zur Erleichterung des Recruitings – stärker gesucht werden?
Beck: Es gibt dahin gehende Tendenzen. Auffallend für uns ist, dass wir in letzter Zeit auch Anfragen Standorte von Headquarters oder Headoffices betreffend bekommen. Unternehmen suchen auch die geografische Nähe zu Absolventen bestimmter Universitäten oder Colleges.

Der Standard: Eine Art Clusterbildung?
Beck: Das ist eine Möglichkeit. Dazu muss gesagt werden, dass wir schon allerhand schlechte Cluster unterschiedlichster Ausformung über den ganzen Globus gesehen haben. Was wir hier sehen, ist das Interesse, auf diese Art eine Business-Partnerschaft aufzubauen.

Der Standard: Manpower ist auch auf Zeitarbeit spezialisiert – welchen Stellenwert wird sie einnehmen?
Beck: Einen großen. Unternehmen müssen in ihren Arbeitsmodellen lernen, flexibler zu werden. Allein aufgrund der Kluft, die sich zwischen Talente-Suchen und -Entwickeln auftun wird, wird die Einbindung flexibler Arbeitskräfte für viele unumgänglich. (Der Standard, Printausgabe 21./22.7.2007)

Zur Person:
Seit 2006 verantwortet Barbara Beck _Manpower Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA), die mit mehr als sechs Milliarden _US-Dollar und 10.000 internen Mitarbeitern die größte Region des Personaldienstleisters ist. Von 2002 bis Ende 2005 war die Absolventin der Universität von Colorado Executive Vice President für Manpower USA und Kanada.
  • "Unternehmen müssen lernen, auch in ihren Arbeitszeitmodellen flexibler zu werden", sagt Barbara Beck, President EMEA des Personaldienstleisters Manpower.
    foto: christian fischer

    "Unternehmen müssen lernen, auch in ihren Arbeitszeitmodellen flexibler zu werden", sagt Barbara Beck, President EMEA des Personaldienstleisters Manpower.

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