"Ergänzung zur Reproduktionsmedizin"

20. Juli 2007, 14:02
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Neue Hoffnung bei bisher unerfülltem Kinderwunsch - Behandlungsprogramm stellt Psyche der betroffenen Paare in den Mittelpunkt

Stadtlengsfeld - Neue Hoffnung für Paare mit bisher unerfülltem Kinderwunsch: Die Burg-Klinik im thüringischen Stadtlengsfeld bietet ein in Deutschland einmaliges Behandlungsprogramm, das die Betroffenen aus dem Teufelskreis führen kann, in den sie eine oft viele Jahre andauernde Odyssee durch die unterschiedlichsten Verfahren der Fruchtbarkeitsmedizin gebracht hat.

Gesamtpersönlichkeit im Zentrum

Im Mittelpunkt des einwöchigen, stationären Programms steht eine entscheidende Größe, die zuvor - etwa beim Einsatz von Hormonspritzen, beim Herausfinden der befruchtungsfähigen Spermien oder bei der Züchtung von Embryonen im Labor - allzu häufig vernachlässigt wurde: die psychische Situation der Patienten, ihre Gesamtpersönlichkeit.

"Paare hohen Leidensdruck aufgebaut

"Bei vielen Paaren hat die ungewollte Kinderlosigkeit einen hohen Leidensdruck aufgebaut", erklärte der Leitende Psychologe in der Burg-Klinik, Andreas Schmidt. Oft fühlten sie sich allein gelassen. Sie schwankten zwischen Hoffnung, Verzweiflung und wieder neuer Hoffnung, und durch die selbst aufgebaute Dauerbelastung rücke der Kinderwunsch in immer weitere Entfernung.

Den Stress bewältigen

"Wir wollen keine Alternative, sondern vielmehr eine notwendige Ergänzung zur Reproduktionsmedizin bieten", betont Schmidt. Ziel sei es, dass die Patienten in der einen Woche des Innehaltens wieder zu sich selber kämen. "Es geht um solche entscheidenden Fragen: Wie kann ich mich bei der bestehenden Belastung stabilisieren? Wie kann ich mich entspannen, wie kann ich den Stress bewältigen, der sowohl im alltäglichen Bereich als auch in den medizinischen Behandlungen auf mich zukommt, und vor allem, wie kann ich bei einem so existenziellen Thema wieder zur ursprünglichen Lockerheit zurückfinden?"

Viele Gruppengespräche

In einer ersten Orientierungsphase gingen die Fachleute individuell auf jeden Teilnehmer ein. Ärzte und Psychologen würden den Paaren helfen, ihre positiven Ressourcen zu erkennen und auszubauen. Vieles geschehe in Gruppengesprächen, etwa in einem Seminar zur Stressbewältigung, aber auch Entspannungstechniken wie Qigong oder Muskelentspannungsübungen gehörten zum Programm oder Nordic-Walking und Aqua-Training, erklärte der Experte.

Jedes siebte Paar ungewollt kinderlos

"Ungewollte Kinderlosigkeit ist für etwa jedes siebente Paar in Deutschland ein Thema. In Frankreich nimmt bereits jedes fünfte Paar reproduktionsmedizinische Techniken in Anspruch", so Schmidt. Die Gründe lägen unter anderem auch darin, dass das Durchschnittsalter der Erstgebärenden heute bei 29 Jahren liege; vor 15 bis 20 Jahren sei es fast zehn Jahre früher gewesen. (APA)

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