Schiffbruch vor Kanarischen Inseln

31. Juli 2007, 21:39
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Suche nach 50 Vermissten aufgegeben - Nur 48 Flüchtlinge konnten gerettet werden - Staats-
sekretärin für Einwanderungsfragen: "Humanitäre Katastrophe"

Madrid - Spanische Seenotrettungskräfte haben die Suche nach rund fünfzig vermissten afrikanischen Flüchtlingen am Samstag aufgegeben. Wie die Behörden der Insel Teneriffa mitteilten, gaben die Schiffe im Laufe des Tages ihre Bemühungen auf, in der Nacht sei die Suche aus der Luft bereits eingestellt worden. Ein Fischerboot mit rund hundert Flüchtlingen an Bord war am Donnerstag vor den Kanarischen Inseln gekentert. Nur 48 Menschen konnten gerettet werden, bisher wurden erst drei Leichen geborgen.

Sechs Schiffe sowie ein Hubschrauber und ein Flugzeug hatten nach den Afrikanern gesucht, die vermutlich aus Ghana, Guinea-Bissau und Liberia stammten. Es war das schwerste Flüchtlingsunglück in der Region seit 2003.

"Praktisch keine Hoffnung mehr"

Der Seenotrettungsdienst teilte mit, es gebe praktisch keine Hoffnung mehr, weitere Überlebende zu finden. "Wir stehen vor einer humanitären Katastrophe", sagte Spaniens Staatssekretärin für Einwanderungsfragen, Consuelo Rumí, am Freitag im privaten Radiosender Cadena Ser.

Schwere See mit Sturm und hohen Wellen

Das Boot war rund 170 Kilometer vor der Küste Teneriffas gekentert, als ein Rettungskreuzer die in Seenot geratenen Afrikaner an Bord nehmen wollte. Alle Insassen waren ins Meer gestürzt, nur 48 von ihnen konnten geborgen werden. Angesichts der dramatischen Szenen stünden einige der Retter unter Schock, hieß es. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschte schwere See mit Sturm und fünf Meter hohen Wellen.

Der Flüchtlingszulauf hielt derweil weiter an. Am Samstag griff die Polizei 70 Nordafrikaner auf, die mit einem Boot nahe Cadiz in Südspanien an die Küste gelangt waren. Ein weiteres Boot hatte am Vorabend die Ferieninsel Menorca auf den Balearen erreicht. Die Insassen konnten flüchten.

Kanarische Inseln eines der Hauptziele

Das Drama von Donnerstag ist eines der schwersten bekannten Unglücke in Spanien seit Oktober 2003. Damals waren mindestens 34 Menschen aus Nordafrika vor der spanischen Küste bei Cadiz ertrunken. Im Dezember 2006 waren rund hundert Senegalesen vor der Küste Afrikas verschollen. Die Kanarischen Inseln sind eines der Hauptziele illegaler Flüchtlingsboote aus Afrika. Im vergangenen Jahr wurden 31.000 Menschen bei versuchten Landungen festgenommen. Die meisten werden in ihre Heimat zurückgeschickt. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Einige der Überlebenden bei Ihrer Ankunft im Hafen Los Cristianos auf den Kanarischen Inseln.

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