Second Life als Therapie für Autisten

29. Juli 2007, 15:17
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Web verringert Hemmschwellen bei sozialen Kontakten - Auch Computerspiele können unterstützend wirken

Das Internet und speziell virtuelle Welten wie Second Life bieten autistischen oder sonst bei sozialen Kontakten beeinträchtigten Menschen einen wichtigen Ort der Kommunikation. Der virtuelle Raum kann als Übungsplatz für Situationen im echten Leben genutzt werden. So etwa Brigadoon, einer Second-Life-Insel für Menschen, die an Autismus oder dem Asperger Syndrom leiden. Aber das Web ändert auch die Wahrnehmung von Autisten, ist Kevin Leitch, Webdesigner und Betreiber der Blogseite Autism Hub, überzeugt. "Das Internet hilft, die Art und Weise zu verändern, wie Autismus wahrgenommen wird", sagt er im New Scientist.

Soziale Interaktion

Laut der Pädagogin und Autismus-Expertin Brita Schrimer, suchen Autisten im Internet nicht nur nach Informationen, sondern sehen darin eine Möglichkeit in soziale Interaktion zu treten und sich mit anderen auszutauschen. Sebastian Dern, Mitbetreiber der Internetseite Autismusundcomputer.de fasst die Beziehung dieser Menschen zum Internet folgendermaßen zusammen: "Selbst autistische Menschen, die verbale Sprache nicht benutzen, können im Internet gleichberechtigte Kommunikationspartner sein", so Dern gegenüber pressetext.

Vielfältige Einsatzgebiete

Aber nicht nur autistische Menschen können durch das Internet und Games mit anderen kommunizieren. Die britische Organisation ARCI setzt Second Life für missbrauchte Kinder ein. Im Spiel lernen die Kinder, wieder mit sozialen Kontakten umzugehen. "Sie kommen leicht mit Personen ins Gespräch, die sie nicht persönlich kennen. Dies bedeutet, dass wir eine soziale Barriere zu durchbrechen scheinen", erzählt Gwyneth Llewelyn, Mitarbeiterin bei ARCI.

Games können ebenfalls therapeutisch eingesetzt werden. Allerdings bergen diese hohe Gefahren für autistische Kinder. "Autisten mögen Gleichheit und Wiederholung", erklärt Sally Ozonoff, Professorin für Psychiatrie am MIND Institute der University of California. Diese Tendenz zur Wiederholung könnte die Kinder davon abhalten zu lernen, sich an neue Situationen im realen Leben anzupassen. Werden Videogames jedoch richtig eingesetzt, könnten sie autistischen Kindern nützen, so Ozonoff. (pte)

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