Vielleicht ein "Friedenszeichen"

23. Juli 2007, 17:04
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Israel lässt 255 palästinensische Häftlinge frei - Abbas lässt sich feiern - Vater: "Wir geben alles für Abu Mahsen" - Ein Häftling verweigerte Gewaltverzicht

Israel hat am Freitag wie angekündigt 255 palästinensische Häftlinge freigelassen. Während sich am Checkpoint Betunia Familien in die Arme fielen, ließ sich Palästinenserpräsident Abbas feiern. Mit Neuwahlen will er die Hamas unter Druck setzten.

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Jerusalem/Tel Aviv - Mahmud Abbas hatte in letzter Zeit mehr Rückschläge als Erfolge vorzuweisen, umso überschwänglicher ließ der Palästinenserpräsident am Freitag in seinem Hauptquartier in Ramallah die Freilassung von 255 palästinensischen Häftlingen feiern.

Israels Premier Ehud Olmert hatte die Geste, die zur Stärkung von Abbas gedacht war, im Juni beim Nahostgipfel in Sharm el-Sheikh angekündigt. Während Abbas im Dauermachtkampf mit der Hamas nun mit Neuwahlen droht, stellte er in seiner Rede beim Heldenempfang für die Heimkehrer weitere Errungenschaften in Aussicht: „Das ist erst der Anfang“, rief Abbas, „unsere Arbeit muss weitergehen, bis alle Gefangenen nach Hause kommen.“

Strafen von 20 Monaten bis 20 Jahren

Es waren sechs Frauen und 249 Männer, die aus verschiedenen Gefängnissen zusammengeführt und Freitag früh in Autobussen an den Checkpoint Betunia in der Nähe von Ramallah gebracht worden waren. Sie hatten wegen Mordversuchs, versuchten Sprengstoffanschlägen, Waffenbesitz oder Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe Strafen von 20 Monaten bis 20 Jahre bekommen. Ein zur Freilassung vorgesehener Mann blieb in Haft, weil er sich weigerte, den Text zu unterschreiben, mit dem die Häftlinge sich zum Gewaltverzicht verpflichten mussten.

Der prominenteste der Freigelassenen war Abdel-Rahim Maluh, der Vizechef der „Volksfront für die Befreiung Palästinas“, die 2001 in einem Hotel in Jerusalem einen israelischen Minister ermordet hatte. In Israel hatte Almagor, eine Organisation von Terroropfern, beim Obersten Gerichtshof noch vergeblich Einspruch gegen die Freilassungen erhoben – „das ist so, als würde ein Rudel Wölfe unter Schafen losgelassen“, sagte ein Sprecher von Almagor.

"Vorzeichen des Friedens"

Doch beim Checkpoint war Um-Ibrahim Saber aus Nablus voller Vorfreude, als sie auf ihren 23-jährigen Sohn Ibrahim wartete. Er sei zu vier Jahren Haft verurteilt worden, „weil er auf die Armee geschossen hat“, erzählt sie. Nun wurde ihm die Hälfte der Strafe erlassen – „mit Gottes Hilfe wird das ein Vorzeichen des Friedens sein“. Zumindest die, die nun ihre Söhne und Brüder wiedersehen können, sind Abbas, der auch Abu Mahsen genannt wird, dankbar: „Wir geben alles für Abu Mahsen“, versichert Ibrahim Balaune, dessen Sohn Adel nach 15 Monaten freigekommen ist.

In der Nacht auf Freitag hatte das PLO-Zentralkomitee Abbas prinzipiell ermächtigt, Präsidenten- und Parlamentswahlen abzuhalten. Die Ankündigung von Neuwahlen gilt aber eher als taktischer Schachzug, der die Hamas unter Druck setzen soll. Kaum jemand kann sich vorstellen, dass tatsächlich Wahlen organisiert werden können, wenn die Islamisten, die den Gazastreifen beherrschen, nicht mitspielen. Nächste Woche soll der britische Ex-Premier Tony Blair erstmals in seiner Funktion als Sondergesandter des Nahost-Quartetts die Region besuchen. Bei einem Treffen in Lissabon hat das Quartett – bestehend aus UN, USA, EU und Russland – den US-Vorschlag einer Nahostkonferenz im Herbst begrüßt. (Ben Segenreich aus Ramallah, DER STANDARD, Printausgabe 21./22.7.2007)

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    Verwandte begrüßten die vorzeitig Entlassenen voller Freude.

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    Abbas ließ sich für seinen Erfolg feiern.

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