Die Überforderten

19. Juli 2007, 20:55
81 Postings

Der ÖGB war eben kein Heuschrecken-Institut, sondern eine Interessenvertretung von Arbeitnehmern, mit Ahnungslosen an den Schlüsselstellen

Ein Aufsichtsrat einer Großbank, der von nichts etwas weiß; der, wenn er etwas von einer Bredouille der Bank erfährt, annimmt, dass der Vorstand schon das Richtige tun wird ("Elsner und Flöttl hatten einen Plan"); und der sein Wissen um das Ausmaß der Katastrophe lieber den restlichen Aufsichtsratsmitgliedern verschweigt, weil die sonst von Journalisten "belagert" würden - der ist strafrechtlich noch zu würdigen, politisch aber jedenfalls ein gröberer Unglücksfall. Der Finanzchef des ÖGB, Weninger, wurde von diesem an die Spitze des Bawag-Aufsichtsrats entsandt. Er selbst bezeichnet sich jetzt als "überfordert". Überfordert war aber wohl auch der Gewerkschaftsbund, der sein Vermögen Bawag von einem besseren Kassier kontrollieren ließ. Katastrophale Fehlentscheidungen passieren auch unter internationalen Finanzprofis, aber der ÖGB war eben kein Heuschrecken-Institut, sondern eine Interessenvertretung von Arbeitnehmern, mit Ahnungslosen an den Schlüsselstellen.

Das hat man alles schon gewusst, aber der Prozess zeigt es mit erneuter Eindringlichkeit. Die Gewerkschaft (und die SPÖ) sollten sich davon Schulungs-DVDs machen lassen. (Hans Rauscher/DER STANDARD, Printausgabe, 20.7.2007)

Share if you care.