Sat.1 staubt Tour von ARD/ZDF ab

20. Juli 2007, 13:10
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Eurosport jubiliert, Kritik an Aussteigern von Seiten der Bevölkerung, aber auch aus dem Fahrerlager und von der Tour-Organisation

Mainz/Paris/Wien - Zustimmung, aber auch viel Kritik und einen freudigen Einspringer bescherten den deutschen öffentlichrechtlichen TV-Sendern ARD und ZDF die Entscheidung, wegen des Dopingfalls Patrik Sinkewitz die Übertragungen von der Tour de France zu beenden. Die im Bundestag vertretenen Parteien begrüßten die Reaktion auf den positiven Dopingtest des T-Mobile-Fahrers fast einhellig. Lediglich die FDP warnte vor einem Totalboykott.

Gratuliert hat auch Eurosport, vor allem sich selbst. Der Spartensender kam am Mittwoch während der Übertragung der 10. Tour-Etappe auf durchschnittlich 931.000 Zuseher und einen Anteil am deutschen TV-Markt in Höhe von 8,6 Prozent. In der Spitzenzeit sahen 1,6 Millionen Fans zu. Zuvor, als ARD und ZDF noch abwechselnd übertrugen, hatte Eurosport pro Etappe nur rund 270.000 Zuseher.

Die hohen Eurosport-Quoten könnten sich schnell wieder auf Talfahrt begeben, schließlich hat der Privatsender Sat.1 die TV-Rechte am wichtigsten Radrennen der Saison übernommen. Bereits am Donnerstag wurde live von der 11. Etappe (Marseille- Montpellier) berichtet. Im Umkehrschluss bedeutet dies das endgültige Aus für ARD und ZDF bei der diesjährigen Tour.

Die Abstimmung über den Tourausstieg per Fernbedienung spiegelte sich auch in einer Online-Umfrage der ARD wider. Dabei sprachen sich an die 65 Prozent der Abstimmenden gegen den Ausstieg aus, bei einer Umfrage des ZDF hielten sich Ablehnung und Zustimmung die Waage.

Völlig ablehnend reagierte wenig überraschend Patrice Clerc, der Präsident der Tour-Organisation ASO. "Es ist schon paradox. Es wird ein Rennen bestraft, obwohl es große Entschlossenheit im Kampf gegen Doping zeigt", sagte der 58-Jährige und frug rhetorisch: "Sollen wir lieber gar nicht kontrollieren und dann über ein sauberes Rennen sprechen?" Viele Sportarten täten dies, "wir gehen einen anderen Weg".

Clerc weiß sich eins mit Radprofis. "Das ist ja wie früher in der DDR, wenn zwei Leute gegen den Willen des Volkes entscheiden", kommentierte CSC-Fahrer Jens Voigt die Entscheidung von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender und ARD-Programmdirektor Günter Struve.

Neue Vorwürfe

Beim T-Mobile-Team sorgt indes ein Bericht des ARD-Politikmagazins "Kontraste" für Aufregung, wonach Sinkewitz im Jahr 2006 dreimal gegen die Meldepflicht für Trainingskontrollen verstoßen habe. Das Team sei darüber am 30. Mai dieses Jahres informiert gewesen. Telekom-Kommunikationsdirektor Christian Frommert sprach von einer "Verdrehung der Tatsachen". Die Nationale Anti Doping Agentur (Nada) habe ihm versichert, "dass sie keinen einzigen Missed Test für Sinkewitz notiert hat". (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 20. Juli 2007, sid, lü)

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    Tour-"Teufel" Didi Senft ist egal, wer die Tour überträgt. Er ist bei der "Großen Schleife" immer live dabei.

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