Das große Schwitzen

25. Juli 2007, 11:22
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Warum Schweiß geruchlos ist – und Bakterien die Stinker sind

Wien – Vom längst verwichenen Chemieunterricht können wir uns noch dunkel erinnern: Was beim Schwitzen unangenehm riecht, ist unter anderem Buttersäure. Die sei hochgiftig, hatte uns der Chemie-Lehrer damals eingebleut: "Mit Buttersäure hat sich nur deshalb noch nie jemand umgebracht, weil sie so stinkt, dass es kein Mensch aushält."

Tatsächlich ist aber frischer Schweiß, wenn er aus den rund zwei bis vier Millionen Drüsen spritzt, absolut geruchlos. In ihm finden sich zwar auch Bestandteile wie Harnsäure und Harnstoff – zu 99 Prozent besteht er aber aus Wasser. Er enthält aber auch Stoffe, die gemeinhin recht geschätzt werden – wie Natriumchlorid (Kochsalz), Zucker, Milchsäure, Ascorbinsäure (Vitamin C). Aber auch: langkettige Fettsäuren. Und genau in denen liegt der Hund begraben – oder besser gesagt: der potenzielle Stinker.

Denn erst durch den Abbau dieser langkettigen Fettsäuren zu kürzeren chemischen Ketten wie Ameisensäure oder Buttersäure wird's so richtig olfaktorisch anrüchig.

Für diesen Abbau sind allerdings Bakterien verantwortlich, die sich auf der Haut tummeln und sich vor allem in behaarten Körperzonen so richtig wohlfühlen. Daher kann man tatsächlich Menschen mit rasierten Achseln nicht nur ästhetisch besser riechen. Ansonsten wurde aber eine ausgesprochen wirksame Strategie entwickelt, mit der die Stinkerbakterien höchst effektiv bekämpft werden können: waschen – mit Seife.

Dabei ist das Schwitzen ja beileibe nichts Schlechtes – im Gegenteil: Ohne Schweiß würde die Menschheit des Sommers hochgradig fiebernd darniederliegen. Das Verdunsten des Schweißes auf der Haut kühlt den Organismus und ermöglicht so eine konstante Körpertemperatur. Deshalb wird auch trockene Hitze als deutlich angenehmer empfunden – weil der Schweiß rascher verdunstet als bei feuchter Schwüle. Und das ist auch der Grund, warum bei heißen Temperaturen weite und wallende Gewandung die bessere Wahl ist: Sie schützt vor Sonneneinstrahlung, und gleichzeitig kann unter ihr der Schweiß besser abdampfen.

Jedenfalls aber ist die Geruchsfrage beim Schwitzen vor allem eine der Dosierung: Denn im Grunde sind die Körpergerüche dazu da, damit Männlein und Weiblein zueinanderfinden – rein biologisch gesehen, natürlich. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 20. Juli 2007)

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