Lampedusa-Lager völlig überfüllt

23. Juli 2007, 15:24
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Flüchtlinge bei Bergung ertrunken

Rom - Trotz zweier Flüchtlingstragödien im südlichen Mittelmeer hält der Migrantenstrom nach Lampedusa unvermindert an. Am Donnerstag landeten erneut zwei Boote mit 259 und 27 Flüchtlingen auf der Insel. Das Auffanglager mit einer Kapazität von 190 Plätzen war mit 900 Migranten hoffnungslos überfüllt. Mehrere Flüge brachten am Donnerstag einen Teil der Flüchtlinge in andere Lager am Festland.

Bei zwei Unglücken sind am Mittwoch 17 Menschen ertrunken. Ein überfülltes Boot kenterte, als ein italienischer Fischkutter die Insassen an Bord nehmen wollte. "Sie waren verängstigt und haben unsere Weisungen nicht befolgt, sitzen zu bleiben", berichtete der Kapitän des Schiffes. "Alle wollten rasch an Bord. Ein Kentern war nicht zu vermeiden." Elf Flüchtlinge ertranken, 14 konnten gerettet werden. Sie wurden wenig später von einer Fregatte der italienischen Küstenwache übernommen, die anschließend noch 22 Überlebende eines weiteren Schiffbruchs an Bord nahm. Ein tunesisches Fischerboot barg weitere 24 Migranten. Die Flüchtlinge wehrten sich gegen eine Rückkehr nach Tunesien und versuchten, den Kapitän zur Kursänderung zu zwingen. Sie wurden am Donnerstag von einer Militärfregatte nach Tunis gebracht.

Der Antimafia-Staatsanwalt Pietro Grasso erklärte, der illegale Menschenhandel sei zu einem der "gewinnträchtigsten Erwerbszweige des organisierten Verbrechens" geworden. In dem Geschäft seien vor allem Albaner, Rumänen, Nigerianer, Bulgaren und Chinesen aktiv. (Gerhard Mumelter, DER STANDARD - Printausgabe, 20. Juli 2007)

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