Zwei weitere Mordanklagen gegen US-Soldaten

25. Juli 2007, 08:07
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"Vorsätzliche Tötung" eines Zivilisten nahe Kirkuk - Am Mittwoch Teil-Schuldspruch für Marine-Infanterist

Bagdad/Camp Pendleton - Die schweren Menschenrechtsverstöße von einzelnen US-Soldaten im Irak reißen nicht ab. Einen Tag nach dem Schuldspruch gegen einen Marineinfanteristen wegen der Tötung eines Irakers hat die US-Armee gegen zwei weiterer Soldaten ein Verfahren wegen Mordes eingeleitet. Trey Corrales und Christopher Shore wird die "vorsätzliche Tötung" eines Zivilisten nahe der Stadt Kirkuk vorgeworfen, wie die Armee am Donnerstag erklärte.

Am Vortag hatte ein Militärgericht im US-Staat Kalifornien einen US-Marineinfanteristen der Entführung und Verschwörung für schuldig befunden. Vom Vorwurf des Mordes sprach es den Gefreiten Trent Thomas allerdings frei.

Der Vorfall bei Kirkuk im Juni wurde von anderen US-Soldaten gemeldet, wie die Armee weiter mitteilte. Genauere Angaben zu der Tat wurden zunächst nicht gemacht. Die Beschuldigten gehören demnach einer auf Hawaii stationierten Einheit an, die derzeit im Irak steht. Ihr unmittelbar Vorgesetzter, ein Oberstleutnant, wurde unter dem Vorwurf der Führungsschwäche versetzt.

Entführung und Verschwörung, aber nicht Mord

In dem Verfahren gegen den 25-jährigen Thomas entschied eine neunköpfige Jury, dass der Gefreite zwar der Verschwörung, nicht aber des Mordes schuldig sei. Ebenso fallen gelassen wurden die Vorwürfe der Falschaussage, des Diebstahls und Einbruchs. Die Anhörung über das Strafmaß sollte noch am Donnerstag beginnen. Thomas muss mit lebenslanger Haft rechnen. Während des Schuldspruchs zeigte er keine Regung, während einige seiner Angehörigen im Publikum in Tränen ausbrachen.

Laut Staatsanwaltschaft gehörte Thomas einer Gruppe von acht Soldaten an, die den Iraker Hashim Ibrahim Awad am 26. April aus seinem Haus in Hamdania verschleppten und erschossen. Nach Zeugenaussagen musste Awad offenbar dafür büßen, dass die Soldaten einen Aufständischen nicht zu fassen bekamen. Demnach wurde er zu einem zuvor von den Marineinfanteristen ausgehobenen Loch geführt, dort gefesselt und mit drei Kopfschüssen gezielt getötet. Ein zurückgelassenes AK-47-Sturmgewehr, eine Schaufel und das Loch sollten als falsche Fährte auf einen auf frischer Tat ertappten und getöteten Bombenleger hinweisen.

Mehrere Skandale

Seit der US-geführten Invasion in den Irak wurden die US-Streitkräfte von mehreren Skandalen erschüttert. Der schwerste und folgenreichste war der Folterskandal 2004 im Gefängnis Abu Ghraib. Fotos der Misshandlungen irakischer Gefangener sorgten damals weltweit für Empörung.

Im Mai lief vor einem US-Militärgericht ein weiterer Prozess wegen des Massakers von Haditha an, bei dem im November 2005 US-Soldaten im Irak in einem mutmaßlichen Racheakt 24 irakische Zivilisten töteten. Gleichzeitig sorgt der Prozess gegen den ehemaligen im Irak eingesetzten US-Soldaten, Steven Green, für Aufsehen. Staatsanwälte im US-Staat Kentucky forderten Anfang des Monats die Todesstrafe für Green. Ihm wird vorgeworfen, zusammen mit vier Kameraden ein irakisches Mädchen vergewaltigt und getötet zu haben. Zuvor soll er die Familie des Mädchens ermordet haben. Green gilt als Rädelsführer.

Prozess gegen drei US-Soldaten läuft

Außerdem läuft ein Prozess gegen zwei weitere des Mordes an drei Irakern angeklagte US-Soldaten. Die Taten ereigneten sich demnach zwischen April und Juni nahe der Stadt Iskandarijah, 50 Kilometer südlich von Bagdad. Auch in diesem Fall legten die Soldaten zur Irreführung Waffen neben die Leichen. (APA)

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