München als zentraler Ort der NS-Kunstpräsentation

30. Juli 2007, 12:27
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Die Publikation "Haus der Kunst, München" von Sabine Brantl rollt die Geschichte des Münchner Kunstmuseums auf

München - Mit dem Buch "Haus der Kunst, München" erinnert das Museum in der bayerischen Landeshauptstadt an seine finstere Geschichte während des Nationalsozialismus. Auf rund 120 Seiten spannt die Autorin Sabine Brantl den Bogen vom Brand des berühmten Münchner Kunstmuseums "Glaspalast" im Jahr 1931 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der Entwicklung des Hauses bis in die heutige Zeit.

Vor 70 Jahren, am 18. Juli 1937, hatte Adolf Hitler im Museum die erste "Große Deutsche Kunstausstellung" eröffnet, in der Künstler wie Emil Nolde, Max Beckmann oder Franz Marc als "entartet" gebrandmarkt wurden. Architekt des Monumentalbaus war Paul Ludwig Troost (1878-1934).

"Zentraler Ort"

München sei zentraler Ort nationalsozialistischer Kunstpräsentation gewesen, schreibt Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) im Vorwort. Die Stadt habe sich instrumentalisieren lassen. "Dies kränkt das Selbstverständnis einer Kunststadt, die sich gerne mit ihren Pinakotheken und dem Aufbruch zur Moderne schmückt", so Ude. Umso wichtiger sei es, dem Haus der Kunst einen wichtigen Platz in der Topographie des Erinnerns der Stadt zu geben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg richteten die US-Amerikaner in den vom Krieg weitgehend verschonten Räumen vorübergehend einen Offiziersclub ein. Außerdem begann man, die Geschichte des Kunsttempels aufzuarbeiten. Nationalsozialistische Relikte wurden übermalt oder entfernt. Bald wurde es zu einem renommierten Ausstellungshaus, vor allem für moderne Kunst. Auch die Nobel-Disco P1 ist dort untergebracht. Zudem ist das Haus der Kunst immer wieder Schauplatz für Partys und Bälle.

Der heutige Leiter Chris Dercon brachte den "Kritischen Rückbau" auf den Weg. Damit will er den Blick auf die Ursprünge des Hauses freigeben und so verhindern, dass das nationalsozialistische Erbe verdrängt wird. (APA/dpa)

Sabine Brantl.
"Haus der Kunst, München. Ein Ort und seine Geschichte im Nationalsozialismus".
Verlag Buch & Media.
152 Seiten / 15,40 Euro.
ISBN: 978-3-86520-242-0
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