Die Geister, die Musharraf rief: 52 Tote bei Anschlägen

26. Juli 2007, 17:05
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Über 160 Tote seit der Erstürmung der Roten Moschee - Antichinesische Gewalt nimmt zu

Seit der Erstürmung der Roten Moschee in Islamabad kommen sie täglich, die Bilder von blutüberströmten Menschen und verkohlten Autos. Über 160 Tote forderten die Anschläge in Pakistan, seit Präsident Pervez Musharraf in der vergangenen Woche die Moschee erstürmen ließ.

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Islamabad - Bei drei Selbstmordanschlägen in Pakistan sind am Donnerstag mindestens 52 Menschen getötet worden, darunter zahlreiche Polizisten. Allein auf einem Marktplatz in der Stadt Hub nahe Karatschi kamen mindestens 30 Personen ums Leben, als ein Sprengsatz explodierte. Es war das erste solche Attentat im Süden des Landes seit der Erstürmung der von Islamisten besetzten Roten Moschee in Islamabad vergangene Woche. Der Nordwesten Pakistans ist seither von einer Serie von Bombenanschlägen erschüttert worden, bei denen insgesamt mehr als 160 Menschen starben.

Der Attentäter von Hub versuchte nach Polizeiangaben offenbar, mit seiner Autobombe ein Fahrzeug mit chinesischen Minenarbeitern zu treffen. Diese entkamen jedoch unverletzt. Stattdessen wurde eine nachfolgende Polizei-Eskorte getroffen; alle sieben Polizisten in dem Fahrzeug sowie 23 Passanten kamen ums Leben. Außerdem wurden 28 Menschen verletzt. "Nach einem lauten Knall habe ich überall um mich herum Flammen gesehen", sagte ein 17-Jähriger, der verletzt in ein Krankenhaus gebracht wurde. "Es sah aus, als flögen Autos durch die Luft."

Angriffe auf chinesische Arbeiter

Unklar war zunächst, ob auch dieses Attentat mit der Welle von Gewalttaten nach der Stürmung der Roten Moschee zusammenhing. "Wir glauben, dass es Teil der jüngsten Anschläge islamistischer Militanter ist", sagte der Polizeichef der Provinz Baluchistan, Tariq Masood Khosa. Allerdings wurden in der Region auch schon mehrfach chinesische Arbeiter von einer regionalen Separatistenbewegung angegriffen.

Bei dem zweiten Anschlag tötete ein Selbstmordattentäter in der nordwestpakistanischen Stadt Hangu mindestens sieben Menschen, als er seine Autobombe an einem Ausbildungszentrum der Polizei zündete. Der Täter habe versucht, das Eingangstor zu durchbrechen, sagte ein Vertreter der Stadt.

Hangu liegt in der Nähe der Stammesregionen an der Grenze zu Afghanistan, die als Hochburgen von Al-Kaida- und Taliban- Unterstützern gelten. Dort hat sich die politische Situation zuletzt verschärft, nachdem Taliban-freundliche Kräfte in Nord-Waziristan ein zehn Monate altes Friedensabkommen mit der Regierung aufkündigten.

Der dritte Anschlag ereignete sich am Abend in der nordwestlichen Stadt Kohat. Im militärischen Teil des Ortes starben mindestens 15 Menschen bei einer Explosion in einer Moschee, darunter zwei Kinder. Nach Polizeiangaben wollten die Menschen gerade ihre Gebete beginnen, als der Täter zuschlug.

Ein islamischer Gelehrter an der größten Religionsschule in der Metropole Karatschi warnte inzwischen vor der Gefahr einer Eskalation zu einem Bürgerkrieg. Wegen der Entscheidungen von Präsident Pervez Musharraf könne die Lage außer Kontrolle geraten, sagte Mufti Muhammad Naeem. "Musharraf hat einen gefährlichen Weg gewählt." Gemäßigte Kräfte verlören durch die jüngsten Entwicklungen an Einfluss.

Bei der Belagerung und Erstürmung der Roten Moschee, die als Zentrum von Taliban-Sympathisanten galt, waren nach Regierungsangaben 102 Menschen getötet worden.

Islamistische Verbindungen

Die Islamisten in der Roten Moschee hatten mehrere Chinesen entführt, was die pakistanischen Behörden nach eigenen Angaben dazu bewogen hat, gegen die Koranschüler vorzugehen. China gilt als Verbündeter Pakistans. Peking hat wiederholt auf Verbindungen islamistischer Attentäter in der chinesischen Region Xinjiang zu Gruppen in Pakistan hingewiesen.

Die Unterstützung Islamabads durch Peking ist aber nicht die einzige Erklärung für die antichinesische Gewalt. In Baluchistan, wo einer der Anschläge vom Donnerstag verübt wurde, arbeiten chinesische Firmen am Bau eines Tiefseehafens mit. Für Nationalisten gilt die Beteiligung Chinas an dem Projekt als Symbol für die Ausbeutung der verarmten Region durch Ausländer. (red, Reuters; DER STANDARD, Printausgabe 20.7.2007)

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