Verteidigungsministerium dementiert Befreiungsaktion

22. Juli 2007, 19:21
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Einsatz zur Befreiung südkoreanischer Geiseln "noch nicht begonnen" - Taliban verlängern Ultimatum

Kabul - Das afghanische Verteidigungsministerium hat Sonntagmittag eine Befreiungsaktion der 23 südkoreanischen Geisel offiziell dementiert. "Der Einsatz hat noch nicht begonnen", sagte am Sonntag der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Sahid Murad. "Es muss ein Computerfehler gewesen sein." Auch Vertreter der afghanischen und US-Truppen sowie der Regierung der Provinz Ghazni erklärten übereinstimmend, ihnen sei keine Befreiungsaktion bekannt. Dem waren Meldungen vorausgegangen, dass das Militär den Aufenthaltsort der Geiseln kenne und Truppen bereits um ein Dorf im Bezirk Kara Bagh in der Provinz Ghazni umzingelt habe.

Durchsuchungsbefehl

Dies hatte deutschen und französischen Nachrichtenagenturen zufolge ein weiterer Sprecher des Verteidigungsministeriums, Zahir Azimi, am Sonntagvormittag mitgeteilt. Die sükoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unterdessen, ein Regierungsbeamter in Seoul habe erklärt, dass Kabul versichtert habe, keine Militäraktionen zu unternehmen, die das Leben der 23 Koreaner gefährden könnte. Zuvor hieß es, Einheiten des afghanischen Militärs und der US-geführten Koalitionstruppen würden nur noch auf einen Durchsuchungsbefehl warten; die Geiselnehmer hätten damit gedroht, die Entführten im Falle eines Angriffs zu ermorden.

Die radikal-islamischen Taliban hatten für die Freilassung der seit Donnerstag angeblich in ihrer Gewalt befindlichen Koreaner die Entlassung von ebenso vielen Gesinnungsgenossen aus afghanischer Haft gefordert. Die gefangenen Taliban müssten bis Sonntagabend 19.00 Uhr Ortszeit freigelassen werden, sagte ein Taliban-Sprecher. Die südkoreanische Regierung steht in Kontakt zu den Geiselnehmern und war zuvor auf deren Forderung nach einem Truppenabzug eingegangen.

Südkoreanische Delegation in Kabul

Die radikal-islamischen Taliban haben eine Frist bis zur Ermordung der südkoreanischen Geiseln um 24 Stunden verlängert. Die Regierung Südkoreas habe noch bis Montag 16.30 MESZ Zeit, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen, sagte Taliban-Sprecher Kari Mohammed Jussuf der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag über Telefon von einem unbekannten Ort aus. Um die Freilassung ihrer Landsleute voranzutreiben, befindet sich eine Delegation südkoreanischer Regierungsvertreter bereits seit Sonntag früh in Kabul. Nach Angaben der südkoreanischen Botschaft wollte die Delegation aus Seoul mit afghanischen Regierungsvertretern zusammenkommen; auch die Kontaktaufnahme mit den Geiselnehmern sei nicht ausgeschlossen, hieß es.

Abzug der Soldaten

Zuvor hatte die Forderung auf Abzug der rund 200 südkoreanischen Soldaten aus Afghanistan bis Samstagmittag gelautet. Die beantwortete der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im südkoreanischen Parlament, Kim Sung Gong, am Sonntag damit, dass Südkorea schon mit den Vorbereitungen für den Abzug seiner Truppen aus Afghanistan begonnen habe. Dieser sei nämlich schon bisher mit Ende des Jahres geplant gewesen, und es dauere fünf bis sechs Monate, um die Truppen nach Hause zu holen. Die südkoreanischen Soldaten leisten überwiegend humanitäre Einsätze in Afghanistan, unter anderem betreiben sie ein Krankenhaus für afghanische Zivilpersonen, in dem mehr als 240.000 Patienten behandelt wurden.

Deutschland hat einen Truppenabzug, wie von den Taliban gefordert, indes eindeutig abgelehnt. Über den Zustand der zwei Deutschen in ihrer Geiselhaft besteht weiter Unklarheit; ein Mann soll an einem Herzanfall gestorben sein, den Geiselnehmern zufolge ist auch der zweite Mann nicht mehr am Leben. (APA/AFP/Reuters)

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    Kriegsgegner fordern in Seoul die Regierung auf, aus Afghanistan abzuziehen.

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