Funk und Masse: "Planet Earth"

19. Juli 2007, 17:00
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Gelungenes Werk, trotz abzulehnender Marketingstrategien: das 24. Album des sich gerade wieder einmal Prince nennenden Prince

Dass man einmal Prince im selben Satz wie Paul McCartney erwähnen würde müssen, war nicht abzusehen. Und ja, es schmerzt. Michael Jackson - okay, das passt. Siehe auch das gemeinsame Duett aus den 80ern, dessen Titel man glücklich vergessen hat und deshalb hier nicht hinschreiben kann. Jetzt also Prince und der unwürdige Sir. Und es ist nicht einmal des schrulligen Ex-Beatles alleinige Schuld. Nein, Prince, ist es, der nun ähnlich sympathische Marketing- und Vertriebsstrategien absegnete wie McCartney, und sein neues Album, sein 24. Studiowerk, drei Millionen Mal dem britischen Massenblatt "Mail On Sunday" beilegen ließ. Das bedeutet drei Millionen verschenkte Alben. Das bedeutet weitere Entwertung von Musik. Das ist ein Signal an all jene, die sich ihre Soundversorgung ohnehin nur noch illegal aus dem Netz saugen, dass das schon irgendwie rechtens ist, wenn das Zeug nun auch schon die Künstler selbst verschenken.

Wobei das Kalkül hinter der Aktion von Prince ein anderes ist. Prince, einer der Superstars der 80er, als er noch Abermillionen materialisierte Alben über die Ladentische gehen ließ, hat seine Schäfchen natürlich längst im Trockenen. Für ihn ist das einfach eine geile Marketingaktion, die weltweit für Aufmerksamkeit sorgt - so wie eben auch Paul McCartney mit seinem Starbucks-Vertrieb. Wir erinnern uns: Die US-Kaffeehauskette - was für ein Wort! - promotete McCartneys jüngstes Machwerk, indem es 24 Stunden lang in allen Starbucksfilialen eben jenes Album spielte, das die rund sechs Million täglichen Kunden auch gleich dort erstehen konnten. Schaler Kaffee, schale Mucke - ein Dreamteam des Grauens. Immerhin kann man Prince zugute halten - damit hier auch einmal etwas Positives erzählt wird -, dass sein neues Album wieder auf weit höherem Niveau angesiedelt ist als die Werke jener Zeit, in der er mehr Aufmerksamkeit auf seine jeweilige Namensgebung verwendete als für seine Musik. Das sehr lässige "Musicology" (2004) markierte die Wende, "3121" aus dem Vorjahr war dann ein bisschen ein Hänger, "Planet Earth", das jüngste Opus des Funk-Rockers aus Minneapolis, lässt den Fan aber wieder frohlocken.

Auf "Planet Earth", das den kleingewachsenen Prinzen mit unzüchtig ausgestellter Brustwolle als schützenden Hirten unseres Planeten zeigt, bietet er alles, wofür man ihn immer schon geschätzt hat: ein paar gut im Saft stehende Rocknummern auf Funk-Basis, wie etwa das als Single ausgekoppelte und etwas sehr bescheiden benannte "Guitar. Somewehre Here On Earth" knistert zu Beginn wie eine alte Vinylplatte mit Geschichte - und das soll wohl ja auch so sein, schließlich entwickelt er daraus eine angejazzte Ballade mit erhöhtem Leidensdruck. "The One U Wanna C" setzt verstärkt auf Funkdaumen und Mitsing-Refrain, während "Future Baby Mama" quasi die Laken für ein bisschen Amore glättet. Smooth- oder Schmus-Soul- je nach Sympathie für den ewigen Sexgott in Stöckelschuhen.

Insgesamt also kein wahnsinniger Meilenstein, aber doch ein würdiges, Richtung Alterswerk weisendes Album, von dem er in der Güte gerne noch ein paar nachlegen könnte. (Karl Fluch / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.7.2007)

  • Musik für die Massen: Prince verschenkte sein neues Album "Planet Earth" (SonyBMG) an drei Millionen Leser der britischen Zeitung "Mail On Sunday". Das ist böse!
    foto: sonybmg

    Musik für die Massen: Prince verschenkte sein neues Album "Planet Earth" (SonyBMG) an drei Millionen Leser der britischen Zeitung "Mail On Sunday". Das ist böse!

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