Golf: Ein Rätsel im Rummel

19. Juli 2007, 16:52
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Die British Open sind das Wimbledon der Golfer - Tiger Woods ist quasi der Roger Federer - Mar­kus Brier hat vor, mit den Besten mitzuhalten

Carnoustie - Tiger Woods ist aufgeregt. Das liegt in erster und alleiniger Linie daran, dass heute, Donnerstag, die 136. British Open beginnen. Gegolft wird im schottischen Carnoustie. "Ich liebe die Geschichte, die Tradition und die Atmosphäre. Die Fans sind großartig, ich freue mich schon sehr", schwärmte der Amerikaner vor dem ersten Abschlag. Woods ist einfacher Weltranglisten-Erster und doppelter Titelverteidiger, er strebt den Hattrick an, das ist zuletzt dem Australier Peter Thompson (1954, 1955, 1956) geglückt. "Das klingt ganz nett, aber daran denke ich nicht. Ich konzentriere mich nur auf das, was zu tun ist."

Ziel sind prinzipiell für jeden Teilnehmer die traditionelle "Silberne Rotweinkanne" (Claret Jug) und der damit verbundene Siegerscheck über 750.000 Pfund (1,106 Millionen Euro). Woods hält bei zwölf Major-Titeln, die Bestmarke von Jack Nicklaus (18 Stück) wird also noch ein Zeiterl bestehen.

Seine ersten British Open hatte Woods als Amateur im Jahr 1995 in St. Andrews absolviert, damals kam ein geteilter 68. Rang heraus. 2000 gewann er sie bereits. Bei den ersten beiden Majors 2007 (Masters, US-Open) wurde Jungvater Woods zweimal Zweiter. "Ich habe zuletzt hart an meinem Spiel gearbeitet und ich hoffe, dass sich das bei den British Open auszahlt."

Wie die meisten anderen Profis hat auch Woods gehörigen Respekt vor dem Kurs in Carnoustie, der nach den British Open 1999 in "Car-Nasty" umbenannt worden war. "Als Amateur habe ich dort 1995 und 1996 die Scottish Open gespielt. Damals hielt ich ihn für einen der besten Kurse der Welt. Aber das hat sich 1999 geändert", meinte Woods, der Siebenter wurde. Aufgrund der widrigen Witterungen (Sturm, Regen) sprach er von einem "unfairen und lächerlichen" Turnier. Damals siegte übrigens der Brite Paul Lawrie. Seither, und dies kann nicht einmal Herr Woods glauben, ist Europa bei Majors ohne Erfolg. Für den Briten Colin Montgomerie ist das "ein echtes Rätsel. Wir haben fünf der vergangenen sechs Ryder Cups geholt und können anscheinend kein Major gewinnen. Das klingt unglaublich. Es wird Zeit, dass wir wieder zuschlagen."

Das Wissen

Zu den Europäern zählt eindeutig der 39-jährige Wiener Markus Brier. "Das ist das Wimbledon der Golfer", meinte er. Die Tücken des Par-71-Kurses sind ihm nicht entgangen, seine Chancen vermochte er nicht einzuschätzen. "Aber wenn es gut läuft, dann kann ich mit den Top 20 mitspielen. Das weiß ich."

Bei der Generalprobe, den European Open in Irland, hat Brier Rang 25 belegt. "Die Form ist zufriedenstellend." Über die Favoritenrolle von Tiger Woods brauche man nicht lange zu diskutieren. "Keine Frage, der Topfavorit heißt neuerlich Woods. Müsste ich wetten, würde ich auch auf ihn setzen. Aber bei Majors kann viel passieren, da tauchen auch plötzlich junge, unbekannte Spieler ganz vorn auf. Und spielt das Wetter verrückt, dann ist mit den Briten zu rechnen." Der Wetterbericht verheißt freilich nichts Außergewöhnliches.

Brier ist zum vierten Mal Teil der British Open, er schaffte zuvor dreimal den Cut (2001, 2003, 2006), wurde 72., 46. und 71. Da ihm diesmal die Qualifikation früh gelang, konnte er sich um eine passende Unterkunft umschauen. "Das Wichtigste bei dem unvorstellbaren Rummel ist, abgelegen aber doch in der Nähe des Golfplatzes zu wohnen." Bruder und Manager Andreas stellte ein Haus auf. "Schaut aus wie ein Schloss. Der Spaß kostet zwar einiges, aber man ist ungestört." (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 19. Juli 2007, red, APA)

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    Tiger Woods ist natürlich der große Favorit. Er hat viel geübt und fühlt sich in Form. Müsste Markus Brier wetten, würde er eine relativ stattliche Summe auf den Titelverteidiger setzen.

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