"Kontrollsystem ist nicht gescheitert"

19. Juli 2007, 13:14
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Walter Schmidt ist für die internen Dopingkontrollen des Teams T-Mobile zuständig - Der Mediziner der Uni Bayreuth im Interview

Patrik Sinkewitz ist bei einer Trainingskontrolle in der A-Probe positiv auf Testosteron getestet worden. Muss man jetzt sagen, das interne Kontrollsystem des Teams T-Mobile ist gescheitert?
Schmidt:Nein, denn in unserem System wird nicht auf Testosteron getestet. Es geht bei uns um Blutmanipulation. Einen anderen Anspruch haben wir nie erhoben. Der Test auf Substanzen wie Testosteron obliegt den Anti-Doping-Organisationen.

Was ist dann das Ziel Ihrer Kontrollen?
Schmidt: Wir haben ein Screening-Verfahren und messen die Hämoglobin-Menge im Körper. Es geht um die Frage, ob die über einen längeren Zeitraum konstant ist oder größeren Schwankungen unterliegt. Dies wäre unnatürlich und würde gezielte Dopingtests zur Folge haben.

Das interne System sollte doch aber auch abschrecken, was es in dem Fall allerdings nicht getan hätte, insofern die B-Probe die A-Probe bestätigt?
Schmidt: Unser Konzept ist engmaschig, wirkt aber nur abschreckend für Blutmanipulationen, nicht bei anderen Dopingformen. Das wissen die Fahrer natürlich. Trotzdem wäre ich sehr enttäuscht, wenn sich das Ergebnis der A-Probe bestätigen würde.

Wofür nehmen Sportler eigentlich Testosteron?
Schmidt: Man sagt, es sei immer dann sinnvoll, wenn es um Muskelaufbau geht. Außerdem soll es die Regenerationsfähigkeit verbessern. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 19. Juli 2007)

ZUR PERSON: Prof. Dr. Dr. Walter Schmidt (52), ein ehemaliger Handballer, ist Leiter der Sportmedizin an der Uni Bayreuth und seit Beginn dieses Jahres für das Team T-Mobile tätig. Schmidt hat eine Methode zur Messung des Eigenblutvolumens ausgearbeitet, die Hinweise auf Doping mit Eigenblut erbringen kann. Schmidt übernahm auch Teile der Agenden der Sportärzte Andreas Schmid und Lothar Heinrich, die gestanden hatten, jahrelang an Doping-Praktiken im Team beteiligt gewesen zu sein. Die beiden waren von der Universität Freiburg entlassen worden.

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