Opern-Ort der Offenheit

18. Juli 2007, 17:28
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Bregenz zwischen Festakt und "Hausoper"

Bregenz – Hauptpunkt der Bregenzer Festspiele ist das Opernspiel am See, das heute mit Puccinis Tosca beginnt. Bei der Eröffnungsfeier spielten jedoch Benjamin Britten und dessen Oper "Tod in Venedig" (nach Thomas Mann), die am Mittwoch im Festspielhaus Premiere hatte, die zentrale Rolle.

Kulturministerin Claudia Schmied sprach über "tabuisierte Formen der Liebe". Sie forderte die Kunst auf, sich Tendenzen zu widersetzen, die dem "Gebot der Freiheit der Liebe" entgegenstehen.

Komponist Britten habe ein öffentliches Leben wagen können, das sich Thomas Mann selbst immer verboten habe, so Schmied in Anspielung auf die Homosexualität Brittens. Im 20. Jahrhundert habe es einen Diskurs zum Widerspruch zwischen "normierter Gesittung und den individuellen Sehnsüchten der Menschen" gegeben. "In jüngster Zeit ist da vielfach Stillstand eingetreten", stellte Schmied fest.

Auch Bundespräsident Heinz Fischer beschäftigte sich mit der freien Gesellschaft. Britten hätte in Österreich bis in die 1970er-Jahre "eine strafgerichtliche Verfolgung fürchten müssen, waren doch bis zum Jahr 1971 gleichgeschlechtliche Beziehungen mit Freiheitsstrafen bedroht", so Fischer. "Seither hat sich viel zum Besseren, d.h. zum Abbau von Diskriminierung hin verändert. Aber noch immer gibt es gesellschaftliche und rechtliche Barrieren." Intendant David Pountney nannte die Festspiele eine "kraftvolle Offenbarung einer offenen Gesellschaft" und erinnerte an einen Ratschlag eines der Gründerväter der USA, Benjamin Franklin: "Wer die Freiheit einschränkt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren."

Festspielpräsident Günter Rhomberg ging dann auf die ökonomische Situation der Kunst ein, stellte kritisch fest, dass "durch die in den letzten Jahren stagnierenden Budgets für Kunst und Kultur bestehende Strukturen" der Theaterlandschaft gefährdet seien. Es werde zu wenig anerkannt, dass alle Einrichtungen, die der Kunst und Kultur dienen, ein nicht unwesentlicher Teil der "Bildungslandschaft" seien und schon deshalb jede Förderung verdienten. Seit 1997 hätten die Festspiele durch die Nichtvalorisierung der Subventionen ein Viertel davon eingebüßt. (toš, APA / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.7.2007)

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