Urheimat der Kartoffel verbietet alle Gentechnik-"Nachfahren"

27. Juli 2007, 18:16
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Region Cusco in den peruanischen Anden weist enormen Sorten-Reichtum auf, der durch herkömmliche Zuchtweise zustande kam

Lima/London/Wien - Während die EU dabei ist, die Gentechnik-Kartoffelsorte Solanum Tuberosum L. EH92-527-1 von BASF für den Anbau freizugeben, beschließt die Regierung von Cusco - eine Region in den peruanischen Anden - alle gentechnisch veränderten Kartoffelsorten zu verbieten, berichtet das Londoner International Institute for Environment and Development (IIED). In dieser Region Südamerikas liegt die Urheimat der Kartoffel, und immer noch werden dort zahlreiche Varietäten, die einzigartig sind, auf herkömmliche Weise gezüchtet - über 3.000 wurden bislang gezählt.

Die Entscheidung zu diesem Schritt wurde von der Non-Profit Organisation ANDES gemeinsam mit dem IIED unterstützt. Die Motive sind die Reinhaltung der nativen Kartoffel-Spezialitäten und auch die Unterstützung für die unterschiedlichen heimischen Knollen seitens der lokalen Hersteller. Alejandro Argumedo, Direktor von ANDES argumentiert, dass diese Region, in der nun dieses Verbot ausgesprochen wurde, natives "Kartoffelland" sei. "Es gibt große Bedenken, dass es im Zentrum des originären Anbaugebietes zu einer Kontamination mit genetisch veränderten Sorten kommt", meint Argumendo, der seit Jahren darum bemüht ist, Kartoffel-Varietäten, die lokal ausgestorben sind, wieder anzupflanzen. Dazu werden auch Samen des International Potato Center (CIP) in Lima verwendet. "Als die lokalen Kartoffelsorten wieder zurück kamen, kam auch unsere Kultur wieder zurück", so Argumendo. "Genetische und kulturelle Vielfalt sind eng miteinander verbunden."

Wechselwirkungen

Der Anbau von genetisch veränderten Pflanzen in Regionen, wo die genetische Vielfalt auch von kultureller Wichtigkeit ist, hat bereits mehrfach zu Kontroversen geführt. "Solange die Wissenschaftler zwar wissen, wie man synthetische Gene in Nutzpflanzen einschleust, allerdings keine Ahnung haben, wie man diese auch wieder herausbekommt, hat Gentechnologie in der Landwirtschaft nichts verloren", so Gentechnik-Experte Werner Müller von Global 2000. Das treffe natürlich auf die Kartoffel in Peru zu. "Das Einbringen gentechnisch veränderter Sorten macht ein natürliches System damit irreversibel kaputt", so Müller.

Ein weiterer Punkt sei die Tatsache, dass die Wechselwirkungen zwischen gentechnisch veränderten Pflanzen und der Umwelt weder kurzfristig noch langfristig hinreichend geklärt sei. Das heutige Wissen reiche bei weitem nicht aus, zu einem Urteil der Ungefährlichkeit zu kommen. "Die Folgen, die daraus entstehen, sind jedenfalls umumkehrbar", so Müller . (pte)

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    Knallbunte Palette - und doch nur ein kleiner Ausschnitt aus dem peruanischen Kartoffelsortenreichtum

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