Forschung zwischen Hirn und Seele

18. Juli 2007, 12:32
1 Posting

121 Milionen Fälle von Depression weltweit, mehr als 600.000 Betroffene in Österreich - Förderung von neuro-psychoanalytischen Arbeiten

Wien (APA) - Was lange gar nicht miteinander konnte, soll nun zusammengehen: Um neue Therapien für Depressionen zu finden, sollen Neurowissenschaft und Psychoanalytik künftig verstärkt an einem Strang ziehen. Die Förderung der "neuro-psychoanalytischen" Forschung hat sich zumindest die kürzlich gegründete US-amerikanische Hope for Depression Research Foundation (HDRF) in New York auf ihre Fahnen geheftet.

Gegensätze zusammengeführt

Es ginge um die bisher längst überfällige Verbindung von zwei empirischen Datensätzen, so Mark Solms, Ko-Direktor für Forschung der HDRF und Vorstand des Instituts für Neuropsychologie an der University of Cape Town (Südafrika). Es gebe eine gute Faktenlage zu den genetischen Mechanismen in Bezug auf Depressionen. Zudem stehe das Auftreten der Erkrankung nachweislich mit bestimmten Lebensereignissen wie etwa einem frühen Verlust einer nahe stehenden Person in Zusammenhang. Was zunächst wie Gegensätze erscheine, gehöre zusammen.

Keine einseitige Behandlung

"Wir wissen mit Sicherheit zwei Dinge. Erstens: Die beste Behandlung für Depressionen ist nicht die psychopharmakologische oder die Gesprächstherapie. Zweitens: Die beste Behandlung sind beide zusammen", so Solms. Forschung, die die Bereiche der Neurowissenschaften als die Biologie des Gehirns und Psychoanalyse als die Erforschung des Denkens und der Emotionen vereint, stellt die HDRF Fördermittel in Form von Stipendien zur Verfügung.

Bisher 3 Millionen Dollar vergeben

In Andenken an ihre an Depression leidenden Mutter gründete die Philanthropin Audrey Gruss die Non-Profit-Organisation im Vorjahr. Seitdem wurden bereits drei Mio. Dollar (2,18 Euro) an Mitteln an internationale Forschungseinrichtungen vergeben. Als Standort für das erste Seminar der HDRF wählten die Veranstalter Wien, um dem Wirken von Sigmund Freud ein Zeichen zu setzen.

121 Millionen Menschen betroffen

Weltweit leiden laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa 121 Mio. Menschen an Depressionen, allein in Österreich sind es schätzungsweise mehr als 600.000. Stellen Depressionen heute das vierthäufigste Volksleiden dar, so sollen sie 2020 bereits Platz zwei der weltweit verbreitetsten Erkrankungen belegen. Auch wenn eine zuverlässige Diagnose und Grundversorgung möglich sind, haben doch weniger als 25 Prozent - in einigen Ländern weniger als zehn Prozent - der Betroffenen Zugang zu effektiven Therapien.

Balance der Nervenbotenstoffe

Die Ursachen für die Erkrankung sind vielfältig. Forscher konnten etwa zeigen, dass objektiv feststellbare Veränderungen in der Balance von Nervenbotenstoffen im Gehirn für die Symptome verantwortlich sind. Als auslösende Momente kommen aber oft Lebensereignisse hinzu.

Kurzfristige Traurigkeit keine Depression

Kurzfristige Traurigkeit ist dagegen keine "Depression" im medizinischen Sinn. Es muss sich dabei um länger anhaltende Symptome handeln. Die wichtigsten Symptome sind unter anderem Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, mangelndes Interesse und Freude an normalen Aktivitäten und Vergnügungen, Rückzug von sozialen Kontakten und Appetitverlust.

Verschiedene Formen der Depression

Es gibt verschiedene Formen der Depressionen. Ein Charakteristikum für die "Major Depression" ist beispielsweise die Dauer von mindesten zwei Wochen mit täglichen Symptomen. Unter "bipolarer Depression" versteht man den Wechsel zwischen Depression und manischen (überaktiven) Phasen. Bekannt ist auch die "Winterdepression", die bei den Betroffenen oft regelmäßig im Spätherbst einsetzt. Anfällige Menschen können auch mit Beginn des Frühjahrs in eine solche Krise geraten. Psychotherapie und echte Antidepressiva (nicht Tranquilizer) helfen vielen Patienten. Bei saisonal abhängigen Depressionen wirkt häufig die Lichttherapie. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.