Wieder Doping bei T-Mobile

19. Juli 2007, 21:13
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Die Lernfähigkeit der Profis lässt zu wünschen übrig: Patrik Sinkewitz positiv getestet - "Ich? Wieso ich? Das kann nicht sein"

Hamburg - Der deutsche Radprofi Patrik Sinkewitz ist derzeit nicht vom Glück verfolgt. Drei Tage nach seinem schweren Sturz in Tignes, der ihn zur Aufgabe bei der Tour de France gezwungen hatte, steht der 26-Jährige unter erheblichem Dopingverdacht. Sinkewitz hatte bei einer Trainingskontrolle am 8. Juni in der A-Probe einen zu hohen Testosteron-Wert aufgewiesen. Das gab der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) am Mittwoch bekannt. Das Verhältnis von Testosteron zu Epitestosteron betrug laut dpa-Angaben 24:1. Erlaubt sind hingegen nur 4:1.

"Ich kann mich jetzt nicht darum kümmern"

Sinkewitz, der bei seinem Zusammenstoß mit einem Zuschauer aus Luxemburg schwere Gesichtsverletzungen erlitten hatte und in einem Krankenhaus in Hamburg behandelt wird, reagierte auf die Nachricht seines positiven Tests fassungslos. "Ich? Wieso ich? Davon weiß ich nichts. Das kann nicht sein", meinte der Profi aus Fulda, der seit 2006 für das Team T-Mobile fährt. "Ich werde gleich operiert und kann mich jetzt nicht darum kümmern", erklärte Sinkewitz, der 2004 die Deutschland-Tour gewonnen hatte.

Der Deutsche muss nun innerhalb von fünf Tagen mitteilen, ob er eine Öffnung der B-Probe beantragen will. "Sollte die B-Probe den positiven Befund bestätigen, wird der BDR die Einleitung eines Verfahrens beim Bundessportgericht beantragen und Patrik Sinkewitz aus allen Kadern streichen", erklärte der Verband in seiner Pressemitteilung. Der BDR war von der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA über den positiven Test informiert worden.

Unfall bei der Tour

Sinkewitz war am Sonntag bei der Heimfahrt ins Hotel mit einem Zuschauer kollidiert, der laut Angaben mehrerer Fahrer über die Absperrung geklettert war. Der Deutsche selbst kann sich an den Unfall nicht mehr erinnern, bei dem er neben einer Mittelgesichtsfraktur auch Verletzungen an Knien und Schulter zugezogen hatte. Der Luxemburger war zwei Tage im Koma gelegenen, befindet sich mittlerweile aber außer Lebensgefahr.

Das Team T-Mobile, bei dem auch der Österreicher Bernhard Eisel unter Vertrag steht, hat sich nach den Affären um die ehemaligen Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich und Bjarne Riis sowie mehreren Geständnissen ehemaliger Fahrer und Ärzte verstärkt dem Anti-Doping-Kampf verschrieben. Transparenz und Sauberkeit werden öffentlich groß geschrieben. "Wir haben Sinkewitz daher sofort suspendiert", erklärte T-Mobile-Sprecher Stefan Wagner.

Reduziertes Team

Ähnlich war der Rennstall bereits beim Ukrainer Sergej Gontschar vorgegangen, der beim Giro d'Italia erst suspendiert und später entlassen worden war. Bei der Tour de France ist T-Mobile nach den Ausfällen von Sinkewitz sowie Kapitän Michael Rogers (AUS) und Sprinter Mark Cavendish (GBR) nur noch durch sechs Fahrer vertreten. Eisel ist einer davon.

Tour-Sieger Floyd Landis war im Vorjahr während der Frankreich-Rundfahrt positiv auf Testosteron getestet worden. Ein Jahr später führt der US-Amerikaner, der nach wie vor seine Unschuld beteuert, noch immer einen Rechtsstreit. Synthetisch hergestelltes Testosteron ist nur über den Testosteron/Epitestosteron-Quotienten nachzuweisen. Das Steroid dient dem Aufbau von Muskelmasse, beschleunigt aber auch die Erholung nach großen Anstrengungen.(APA/dpa)

Wissen:

Das männliche Sexualhormon Testosteron ist bei manchen Radprofis sehr beliebt. Kein Wunder, es beschleunigt die Regeneration und den Aufbau der Muskel, regt die Blutbildung an und stärkt das Gefühl von Power und Aggressivität. Wegen dieser leistungssteigernden Effekte ist das Hormon als Anabolikum eingestuft, die Verabreichung gilt als Doping. Die Anwendung ist relativ einfach, man klebt ein im Handel erhältliches Testosteronpflaster, wie es auch zur Hormon-Ersatztherapie bei Männern eingesetzt wird, auf den Hodensack und belässt es dort für einige Stunden. Solch geringe Dosen sind im Allgemeinen nicht im Urin nachweisbar, zeigen aber auf jeden Fall Wirkung. Durch Zuführung von Epitestosteron kann versucht werden, die Einnahme von Testosteron zu verschleiern. Deshalb verbieten viele Verbände die Anwendung von Epitestosteron.

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    Patrik Sinkewitz

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