Genregrätsche im weiten Querbeet

18. Juli 2007, 12:37
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Ab Freitag: Die Mühlviertler Festspiele Schwertberg erfüllen auch im fünften Jahr die Erwartungen

Musizierend, rezitierend, und erzählend - in jedem Falle spielend - erfüllen die Mühlviertler Festspiele Schwertberg auch im fünften Jahr die Erwartungen mit einem gehörig genregeschüttelten Programm. Barbara Dorsch schnürt sich als Feinkostladen-Plauderer "Herr Karl" - ohne Rücksicht aufs Geschlecht - die Magazineursschürze um und gewährt aufschlussreiche Blicke in die Abgründe ereignisgebeutelter Kleinbürgerseelen. Ganz im Sinne Thomas Bernhards wird jedes Wort zum Treffer, hebt jedes Kapitel zur Weltanklage an, wenn Texte des Übertreibungskünstlers durch die Brille Josef Haders gesichtet werden.

Weiter geht's zwischen Servilität und groteskem Herrschaftsanspruch: Das Wiener Kindertheater begehrt in "Diener zweier Herren" auf, und das Vorarlberger Projekttheater erprobt in "Die Präsidentinnen" vom Küchentisch aus den Aufstand gegen die eigene Armseligkeit. Kontrastreich auch die Musik: Die Jazz Big Band Graz besorgt ein kammermusikalisches Eröffnungskonzert, Fatima Spar und die Freedom Fries geizen nicht mit fett-feurigem Sound, dargereicht mit entwaffnender Laszivität. (clep / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.7.2007)

20.-29. 7.: Festspiele Schwertberg
  • Rotzig, fahrig, ungestüm: Weltmusik à la Fatima Spar und die Freedom Fries.
    foto: michael jogosky

    Rotzig, fahrig, ungestüm: Weltmusik à la Fatima Spar und die Freedom Fries.

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