Blamabel freigekauft

18. Juli 2007, 11:18
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Kardinal Roger Mahony, der Erzbischof von Los Angeles, will 508 Opfern, die als Kinder von Priestern missbraucht worden sind, insgesamt 660 Millionen Dollar Entschädigung zahlen - von Frank Herrmann

Finanziell ist es die teure Lösung, moralisch ist sie so billig, dass sich die Kirche nach Kräften blamiert. Kardinal Roger Mahony, der Erzbischof von Los Angeles, will 508 Opfern, die als Kinder von Priestern missbraucht worden sind, insgesamt 660 Millionen Dollar Entschädigung zahlen. Das mag spektakulär klingen, nach Buße und mea culpa. Doch wichtiger ist die Kehrseite der Medaille. Das Gerichtsverfahren, in dem der Bischof als Zeuge aussagen sollte, fällt nun ins Wasser. Mit anderen Worten, der Kardinal hat sich freigekauft.

Um nicht Rede und Antwort stehen zu müssen, schloss er einen kostspieligen Vergleich, zwei Tage vor Prozessbeginn. Man kann sich vorstellen, welche Schweißperlen dem Geistlichen auf der Stirn standen, als der Termin nahte und der Deal immer noch nicht perfekt war. Als er dann vor den Kameras stand, um Verzeihung bat für die "furchtbare Sünde", da nahmen ihm viele die Reue nicht ab. Denn es war Mahony, der zuvor alles getan hatte, um das, was fünf Jahrzehnte lang über sexuellen Missbrauch von Chorknaben und Ministranten durchgesickert war, unter den Teppich zu kehren. Gezielt deckte er Pfarrer, die sich an Kindern vergriffen hatten. Getreu dem Motto, dass alles, was dem Ruf schaden könnte, doch bitte schön in der Familie bleiben solle.

Mag sein, dass einige der Betroffenen froh sind, dass sie ihre Qualen nicht vor aller Öffentlichkeit ausbreiten müssen, in einem Gerichtssaal. Doch es gibt etliche, die heftig protestieren. Denn was wirklich geschehen ist, wird man nun vielleicht nie erfahren. Dabei hatten vor drei Jahren in Dallas Amerikas Bischöfe versprochen, ihr Haus in Ordnung zu bringen. Das große Saubermachen, zumindest in Los Angeles lässt es noch auf sich warten. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.7.2007)

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