Zugunglück in Ukraine: Hochgiftiges Phosphor trat aus

20. Juli 2007, 15:42
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Gaswolke breitete sich über Fläche von 90 Quadratkilometern aus - Mindestens zwanzig Verletzte

Kiew - Bei einem schweren Zugunglück in der Ukraine sind mehrere Waggons mit hochgiftigem gelbem Phosphor in Brand geraten und 20 Menschen verletzt worden. Das Unglück nahe der Stadt Lwiw (Lemberg) in der Westukraine sei die größte Umweltkatastrophe seit der Explosion im Kernreaktor Tschernobyl 1986, sagte der ukrainische Vize-Ministerpräsident Alexander Kusmuk am Dienstag nach Angaben der Agentur Interfax.

Anrainer und Feuerwehrleute hätten giftige Gase eingeatmet und würden in einem nahe gelegenen Militärkrankenhaus behandelt, sagte ein Sprecher der Einsatzleitung. Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums bestand für keinen der Verletzten Lebensgefahr.

11.000 Menschen gefährdet

Etwa 800 Menschen mussten ihre Häuser vorübergehend verlassen. Eine Gaswolke breitete sich über eine Fläche von 90 Quadratkilometern aus. Etwa 11.000 Menschen in 14 Dörfern seien gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt gewesen, hieß es. Bei dem Unfall waren aus vorerst noch unbekannter Ursache 15 Waggons entgleist. Danach trat das lebensgefährliche Phosphor aus. Ob die Behälter mit der leicht entzündlichen Chemikalie ausreichend gesichert waren, blieb zunächst unklar.

Umweltexperten befürchteten, dass es in der Region zu sauren Niederschlägen kommen könnte, die Mensch und Natur gefährden. Die sehr giftigen Phosphordämpfe können zu Kollaps, Koma und tödlicher Atemlähmung führen. Auf der Haut kann der Stoff schlecht heilende Verbrennungen verursachen.

Präsident Viktor Juschtschenko unterzeichnete am Dienstag ein Dekret mit dem Ziel, die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, die Ursachen des Unglücks untersuchen zu lassen und die Folgen der Katastrophe zu beseitigen. Die von Julia Timoschenko geführte Opposition in der Ukraine forderte eine rasche Aufklärung des Unglücks. "Diese Regierung spricht immer über Erfolge, und trotzdem gibt es immer wieder Züge, die entgleisen, Munitionslager, die explodieren und eine Wirtschaft, die zusammenbricht", sagte Timoschenko in Kiew. (APA/dpa)

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