Impulse für Region der Kleinbetriebe

17. Juli 2007, 19:33
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Neues Programm soll Anreize für innovative Unternehmen im Mühlviertel schaffen

Eine Frohbotschaft verkündete das Arbeitsmarktservice in Linz vorige Woche: Mit einer Quote von nur 2,8 Prozent weise Oberösterreich nicht nur die niedrigste Arbeitslosenrate (17.200 Jobsuchende) aller österreichischen Bundesländer auf, sondern auch einen seit 25 Jahren nicht mehr erreichten Höchststand bei den Beschäftigungszahlen (knapp 600.000). Spitzenreiter sei der Bezirk Urfahr-Umgebung im Mühlviertel mit einer Arbeitslosenquote von nur 1,3 Prozent.

Franz Tauber, Leiter der dortigen Bezirksstelle der Oberösterreichischen Wirtschaftskammer, ist nicht ganz so begeistert und stimmt nicht in den Freudengesang ein. Rund zwei Drittel der Mühlviertler pendeln nämlich zum Arbeiten in den Linzer Zentralraum, sagt er. Die logische Konsequenz: In der Region seien Arbeitsplätze Mangelware, wie auch die Statistik zeige.

"Von unseren Wirtschaftskammer-Mitgliedern sind mindestens 62 Prozent Ein-Personen-Unternehmen und nur 38 Prozent Arbeitgeber-Betriebe", sagt Tauber. "Daraus ergibt sich die große Herausforderung für das Mühlviertel", ergänzt er. Es müssten Arbeitsplätze vor Ort geschaffen werden, um die finanzschwachen Mühlviertler Gemeinden zu stärken und damit die Lebensqualität zu erhöhen. Wohnen in einer landschaftlich reizvollen Umgebung bringe keine nachhaltige Regionalentwicklung.

Das mit diesem Jahr gestartete und von der EU mitfinanzierte Programm "Innovation pro Mühlviertel" hat sich genau dieses Ziel gesetzt. Bis Ende 2008 sollen im Mühlviertel zwanzig neue "kooperative Unternehmen" gegründet werden, erläutert Projektleiter Thomas Reischauer, ein oberösterreichischer Unternehmensberater. Mit "kooperativ" meint er, dass bereits bestehende Unternehmen der Region als Ideengeber oder Partner für neuen Betriebe fungieren sollten. Innovative Projekte, die schon seit Längerem in einer Firmenschublade liegen und aus Zeitmangel oder wegen fehlender Ressourcen bisher nicht umgesetzt werden konnten, sollen so verwirklicht werden können.

Firmenchefs suchen

"Innovation pro Mühlviertel" ist ein recht breit angelegtes Programm: Es wird von Unternehmensberatern, den Mühlviertler Technologiezentren Freistadt, Perg, Donau-Böhmerwald, dem Softwarepark Hagenberg (alles Mitglieder des Verbands der Technologiezentren Österreichs, VTÖ), der Wirtschaftskammer, der Fachhochschule Oberösterreich und der Universität Linz getragen. Gemeinsam prüft man die Ideen und sucht so die künftigen Firmenchefs. "Es können sich aber auch Gründungstalente an uns wenden, damit wir einen potenziellen Partner für sie suchen", erklärt Reischauer im Gespräch mit dem Standard.

Wird das Projekt in das "Innovation pro Mühlviertel"-Programm aufgenommen, stehen dem Gründungsteam zur Verwirklichung kostenlose Beratungs- & Coachingtage zur Verfügung. Laut Reischauer hätten diese einen Gegenwert von 9000 Euro.

Bisher seien schon viele "brauchbare Ideen" eingegangen, lobt er. Etwa aus den Bereichen regenerative Energieträger, Holzbau, gewerbliche Müllaufbereitung oder ein Internet-Reservierungssystem für Großveranstaltungen. Jetzt würden die Machbarkeitsstudien für die einzelnen Vorschläge erstellt.

Es gab auch schon erste Treffen zwischen künftigen Geschäftspartnern. Einzige Vorgabe für die neuen Betriebe: Sie müssen natürlich im Mühlviertel angesiedelt werden.

Nach drei bis fünf Jahren sei eine erste Evaluierung geplant. Dann will Reischauer jedenfalls nicht mehr über das Mühlviertel sagen müssen, dass dort "die Unternehmerquote signifikant unter dem Durchschnitt von Oberösterreich liegt". (Kerstin Scheller, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. Juli 2007)

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    grafik: der standard
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